Buchloe
Von Oberstdorf nach Georgia

«Weltmusik» ist ein viel strapazierter Begriff, zumeist dann benutzt, wenn es um Musik geht, die nicht ganz den «westlichen» Hörgewohnheiten entspricht oder die zumindest teilweise Einflüsse aus anderen Kulturkreisen verarbeitet. Wie vielfältig Weltmusik sein kann, zeigten der gebürtige Oberstdorfer Markus Noichl und seine Freunde Jörg Holik und Per Engström unter dem Motto «Magie der leisen Töne» in der evangelischen Hoffnungskirche. Da erklang gleich zu Beginn auf Instrumenten aus drei Kulturkreisen (irische Harfe, indische Tablas und Mundharmonika) Musik aus einer vierten Region: stilisierte südamerikanische Folklore und Tanzmusik.

Schelmischer Humor dominierte in Noichls Moderation. Mit gespieltem Grimm ereiferte sich der leidenschaftliche Harfenist über einige Irrwege in der musikalischen Namensgebung. So suchte er vergeblich Parallelen zwischen der Harfe und der «blues harp» (englischer Ausdruck für Mundharmonika) seines Freundes, aber man könne diesen Namen nun leider nicht mehr rückgängig machen. Es muss kaum erwähnt werden, dass daraus kein musikalisches Zerwürfnis entstanden ist, sondern dass beide - auch in dezidiert «bluesigen» Nummern - den Abend über hervorragend harmonierten und kommunizierten.

A propos Blues: An Noichl ist ein kleiner Münchhausen verloren gegangen, behauptete er doch, dass der Blues von Oberstdorfer Einwanderern ins Mississippi-Delta importiert worden sei. Wäre «Georgia on my Mind» nicht eine der bekanntesten Blues-Nummern überhaupt, dann würde Noichls auf diese Melodie im Oberstdorfer Dialekt gesungenes «Ming Dearfle» fast als Original durchgehen.

Jörg Holik erwies sich als schlagzeugerischer «Hans Dampf», als im wahrsten Sinne des Wortes «treibende Kraft». Selbst langsame Melodien unterlegte er auf seinen Tablas mit einem von Sechzehntelnoten dominierten Grundrhythmus. Vorgestellt wurde er von Noichl als «eines der wenigen Bleichgesichter, das die Tablas beherrscht.»

Der aus Norwegen stammende Engström wurde von Noichl filmgerecht als «Wikinger an der kleinen Mundharmonika» vorgestellt - und er sah dazu auch noch wie Urobe mit gekürztem Bart aus. Schloss man jedoch die Augen, dann hörte sich sein Spiel an, als ob er nie ein anderes Instrument in den Händen beziehungsweise am Mund gehabt hätte.

Gewisse Floskeln haben ihre feste Bedeutung: Wenn ein Moderator vom «Ende des offiziellen Konzerts» spricht, dann kann man davon ausgehen, dass noch eine Zugabe folgt. Dies war auch der Fall, natürlich nicht ohne vorher von Noichl mit einer ironischen Bemerkung garniert zu werden. «Wir rücken schon noch etwas raus. Sie können dafür am Ausgang auch etwas rausrücken», sagte er mit Blick auf den dort stehenden Spendenkorb. Dieser war am Ende denn auch gut gefüllt. Joachim Buch

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