Allgäu
Von Null auf drei Urlaubsfotos in 13 Sekunden

Im Juli 1999 wurden in acht deutschen Städten die ersten DSL-Leitungen verlegt. Heute, zehn Jahre später, haben laut Telekom 96 Prozent aller deutschen Haushalte einen DSL-Internetzugang. Doch trotz DSL muss dieser nicht besonders schnell sein. Nach wie vor beklagen sich zahlreiche Verbraucher, dass es noch immer zu viele weiße Flecken auf der Breitband-Deutschlandkarte gebe - vor allem auf dem flachen Land. So auch in zahlreichen Gemeinden im Allgäu.

Alleine im Ostallgäu sind es laut Landratsamt derzeit 756 Ortsteile in 33 Gemeinden, die nur mangelhaft mit Breitband-Internetzugängen versorgt sind. Ein Breitband-Internetzugang ist ein Zugang mit verhältnismäßig hoher Datenübertragungsrate. DSL ist eine der möglichen Breitbandtechnologien.

Aufgrund der mangelhaften Versorgung hat der Ostallgäuer Landrat Johann Fleschhut nun eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Mit dieser sollen Bestand und Bedarf der möglichen Breitbandanschlüsse im Ostallgäu ermittelt werden. Momentan sei die Versorgung eher «Dorfstraße statt Datenautobahn» sagt Fleschhut.

Eine Oberallgäuer Gemeinde würde sich an einer solchen Machbarkeitsstudie nur zu gerne beteiligen: Kreuzthal/Eisenbach. Denn der Gemeinde, die im Dreieck zwischen Buchenberg, Isny und Leutkirch liegt, fehlt es nicht nur an schnellen Breitbandverbindungen. Dort steht nicht einmal die langsamste DSL-Variante zur Verfügung - es wird noch mit Modem oder ISDN gearbeitet. Zum Vergleich: Will man eine Datei mit zehn Megabyte (zum Beispiel drei Urlaubsfotos) herunterladen, dauert dies mit DSL mit einer Übertragungsrate von 6000 Kilobit pro Sekunde im Idealfall 13 Sekunden, via ISDN mit 128 Kilobit pro Sekunde 10:55 Minuten und per Modem mit 48 Kilobit pro Sekunde geschlagene 48:32 Minuten.

Kampf mit der Telekom

«Seit zweieinhalb Jahren kämpfe ich mit der Telekom», beklagt sich Heinz Peller, der im Februar 2006 die Initiative «DSL ins Kreuzthal» ins Leben gerufen hat. Seitdem richte er halbjährlich eine Anfrage an die Telekom. Die immer gleiche Antwort: «Ein Standardvordruck, der sagt, dass in nächster Zeit keine Leitungen verlegt werden könnten», zitiert Peller. Er selbst habe sich zu Hause bereits eine sehr teure Standleitung via Satellit legen lassen, da er beruflich auf schnelles Internet angewiesen sei. «Nicht mal das Angebot, dass die Gemeinde die teure Installation eines unterirdischen Leerrohrs selbst übernimmt und die Telekom nur noch ihre Glasfaserkabel durchschieben muss, wurde angenommen», ärgert sich Peller. Doch Gemeinden, mit zu wenigen Haushalten seien wohl einfach nicht rentabel.

So wie Kreuzthal, das mit nur 40 Internet-Interessenten niemanden zu beeindrucken scheint.

Das Landratsamt Ostallgäu hat es sich nun mit der Machbarkeitsstudie selbst zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, wie auch die abgelegensten Höfe mit einer der Breitbandtechnologien ausgestattet werden können. Und es setzt sich zum Ziel, dass dies in möglichst naher Zukunft Wirklichkeit wird. Allerdings bleibt Fleschhut realistisch: Er wisse, dass der Grundstein nun zwar gelegt sei, die großflächige Vernetzung aber noch Jahre dauern werde. Für realistisch hält auch Peller inzwischen seine Theorie, «dass Kreuzthal das letzte Dorf in Deutschland sein wird, das DSL bekommt.»

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