Marktoberdorf / Ostallgäu
Von Hippie bis Avantgarde

«Man weiß gar nicht, wohin man zuerst gehen soll», sagt Inge Kögel, die möglichst viel vom «Basislager» der Kulturexpedition mitkriegen will. Gerade haben die «Sonnenfunken» am mobilé ihr imposanten Spiel mit dem Feuer beendet, locken bereits der Gitarrenkünstler Uwe Czuk in den Rathaussaal, Volkstanz und Stubenmusik zu den Museen oder auch Irish Folk ins «Rusticana». Und da gäbe es ja auch noch die Spraystation am Kiderle, das Kunstprojekt «Smoke» im alten Feneberg, die Autorenlesung bei der Buchhandlung Glas und und und. So vielfältig war das Angebot, dass sicher kaum einer alles sehen konnte. Da hieß es auch für Inge Kögel auswählen bei den Sprüngen zwischen traditionell und grenzwertig, was ja als Motto für diese Kulturexpedition gewählt worden war.

Zusehends hatte sich der Marktplatz gefüllt, als kurz nach 18 Uhr der Startschuss für diese Kulturexpedition fiel. Nonstop war dort bis 21.30 Uhr ein tänzerisches Programm geboten: Die kleine Ballettmaus der Ballettschule Dermody-Bayer begeisterte auf der großen Bühne ebenso wie die Breakdancer aus Obergünzburg, die Gruppen von Svitlana Gangi oder die Flamencotänzerinnen. Gerade die Breakdancer, so der achtjährige Jakob Hafner, haben ihm besonders gefallen. Er war mit Mama und Papa unterwegs, wie überhaupt viele Familien zu sehen waren.

Als echte Attraktion erwiesen sich auf dem mobile-Gelände ein paar Straßen weiter die Glasmacher Annette Glas und Austin Dowd.

Seit morgens um halb zehn heizten sie ihren aus Ziegeln aufgebauten Ofen, in dem sie bei 1200 Grad Glas schmolzen und Fläschchen und Vasen vor Publikum anfertigten.

Eingetaucht in unterschiedliche Welten

Wie ein Magnet zog das Magnus-Dauner-Jazz-Trio daneben die Menschen in die Kunstausstellung von Tobias Vetter, um nicht weit davon entfernt wieder in eine völlig andere Welt einzutauchen: Im Treibhaus der Gärtnerei Wolf erzählte Benno Kölbl im traditionell Pfrontener Dialekt seine Geschichten und der Chor Al Dente entführte musikalisch in die Zeit der Hippies, die bekanntlich kaum Grenzen kannten.

So mancher nahm, begleitet von den brasilianischen Trommelklängen einer Mitmachgruppe um Harald Rüschenbaum, am Kiderle noch die Airbrushperformance von Thomas Eser mit, bevor er sich zum Rathaus aufmachte. Dort tummelten sich den ganzen Abend lang nicht allzu viele Besucher, obwohl es sich durchaus gelohnt hätte, dem ehrlichen Blues von Uwe Czuk und zwei weiteren Gitarristen zu lauschen. Dort führte auch der Künstler Oliver Borgardts seine Kunst, mit der Airbrush Riesenleinwände zu gestalten, vor. Daneben waren auf einem Bildschirm seine dreidimensionalen Videoarbeiten zu sehen, die zu seiner Überraschung wenig Beachtung fanden.

Zur gleichen Zeit spielte die Stubenmusik Immenhofen unermüdlich im Museumsbau an der Eberle-Kögl-Straße. Wenig Publikum auch dort. «Aber ich bin zufrieden», sagt Gottlieb Fischer vom Riesengebirgsmuseum. Und wer die historischen Ansichten von Marktoberdorf im Stadtmuseum entdeckt, bekommt ausführliche Erklärungen dazu.

Der Abend ist überraschend warm, und so genießen auch draußen bei der Volkstanzbühne einige Zuschauer das Traditionelle dieser Kulturexpedition. Dort treffen sich auch Besucher wieder, die schon am mobilé zusammengestanden hatten, und wer jetzt weitergeht zum alten Feneberg, kommt gerade noch rechtzeitig zur Laudatio auf den Künstler Bertram Maria Keller, der dort raumgreifend sein avantgardistisches Projekt «smoke» ausgestellt hat. Die Performance von Wilma Rösch am späten Abend vor dem Rathaus verfolgen nur noch ganz wenige.

Zufrieden mit dem Gebotenen waren die Besucher, wie zum Beispiel Philipp Heidrich oder Gerhard Herfert. Erstaunen nur, dass das Programm an den meisten Punkten frühzeitig endete. Und ein bisschen Enttäuschung bei Monika Schubert, die künstlerisch für dieses Basislager der Kulturexpedition zuständig war. In einer Kulturstadt wie Marktoberdorf hätte sie sich noch mehr Besucher gewünscht.

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