Kempten / Lindau
Von Freiheitsberaubung bis Körperverletzung

Die Liste der Tatvorwürfe gegen die vier Männer war lang - ob sie komplett haltbar ist, blieb gestern offen. Freiheitsberaubung, erpresserischer Menschenraub, räuberische Erpressung, Körperverletzung und Nötigung legte die Staatsanwältin den Angeklagten zu Beginn der Verhandlung vor dem Kemptener Landgericht zur Last. Aber die vier Männer waren nur zum Teil geständig. Bis Redaktionsschluss stand noch kein Urteil fest.

Laut Anklageschrift schuldete der arbeitslose Geschädigte einem der Angeklagten 387 Euro. Der Betrag war zusammengekommen, weil das Opfer mehrmals Rechnungen im ehemaligen Gastronomiebetrieb des 36-Jährigen nicht bezahlte. «Es waren am Anfang circa 800 Euro», berichtete der Restaurantfachmann. Einen Teil davon habe der Geschädigte bei ihm abgearbeitet. Dann jedoch sei er nicht mehr aufgetaucht und nicht mehr erreichbar gewesen. Mehrfach habe er versucht, mit ihm in Kontakt zu treten - erfolglos.

Am Tattag, im Juli 2008, erfuhr der 36-Jährige, dass sich der Schuldner in einer Lindauer Bar aufhalte. Mit den anderen Beschuldigten - wovon zwei hauptsächlich als Zuschauer agierten - betrat er die Kneipe, um «mit ihm zu reden».

Der 36-Jährige forderte den Geschädigten auf, mit raus zu kommen und nahm ihm zwei Handys ab - als Pfand für das geschuldete Geld, wie er sagte. In einer Seitenstraße habe er das Opfer gepackt, gegen die Wand gedrückt und geohrfeigt. «Ich war sauer, weil er mich wieder belogen hat. Dass ich mein Geld bekomme, verspricht er mir schon seit Monaten», so der Angeklagte.

«Keine Glanzleistung»

Der 36-Jährige forderte den Geschädigten laut Staatsanwaltschaft schließlich auf, dessen Mutter anzurufen und sie um 1000 statt der 387 Euro zu bitten.

Während dieses Telefonats übernahm sein 26-jähriger Komplize den Hörer und erklärte gegenüber der Mutter: «Wenn du deinen Sohn nicht im Krankenhaus halb verreckt besuchen willst, dann hilf ihm und richte einen großen Schein her.» Als die Frau sagte, sie hätte kein Geld, meinte der 26-Jährige, dann hätte sich die Sache erledigt. «Das war keine Glanzleistung. Ich habe nicht nachgedacht», räumte der selbstständige Sattler ein.

Bis zu diesem Punkt decken sich die Aussagen der Angeklagten und die Anklageschrift weitgehend. Als «Lüge und absoluten Quatsch» taten die Vier dagegen die Vorwürfe ab, sie hätten den Geschädigten im Auto gegen seinen Willen erst in die damals noch von dem 36-Jährigen bewirtschaftete Gaststätte und später in ein Waldstück gebracht. Dort hätten sie ihn beschimpft, um so das Geld herauszupressen.

Der 36-Jährige habe ihn zudem gegen Rippen und Ohr geschlagen, heißt es in der Anklageschrift. Geld sei nicht übergeben worden.

In Widersprüche verstrickt

Als Zeugin berichtet die Mutter des Geschädigten zwar von Schwellungen und Schürfwunden an Oberkörper, Ohr und Gesicht ihres Sohnes. Polizeiliche Fotos von diesen gab es laut Richter jedoch nicht. Auch einen Arzt habe der Geschädigte nicht aufgesucht. Bei ihren weiteren Angaben verstrickte sich die Frau mehrfach in Widersprüche im Vergleich zu ihrer Aussage bei den Vernehmungen durch die Polizei.

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