Von Euphorie noch keine Spur

Von Werner Kempf | Jungholz/Tannheim/Riezlern. Die Nachfrage nach Tickets für die Fußball-EM 2008 vom 7. bis 29. Juni in Österreich und in der Schweiz ist riesig. Rund zehn Millionen Bewerbungen liegen vor. 330 000 Karten wurden bisher unter den Interessenten verlost. Eine zweite Phase startet im Dezember nach der Gruppen-Auslosung. Doch von Euphorie ist in Österreich nichts zu spüren. Laut Umfrage sind nur 41,2 Prozent der Bevölkerung an der WM interessiert. 55,5 Prozent rechnen mit einer Blamage des eigenen Teams. Wir hörten uns in Jungholz, Tannheim und Riezlern um und wollten wissen, wie groß das Interesse dort ein Jahr vor dem Championat der Kicker ist.

In Jungholz ist im Moment von der EM 'noch gar nichts zu spüren', sagt Bettina Wendlinger vom Tourimus-Info-Büro der 300-Seelen-Gemeinde.

Für Werbebroschüren gibt es lediglich Aufkleber, die auf das Großereignis hinweisen. Auch im nächsten Jahr hält sich die Euphorie in Grenzen, heißt es aus Jungholz. Für öffentliche Übertragungen (Public Viewing) seien in den Sommermonaten zu wenig Touristen im Ort. Aber einige Restaurants und Gaststätten werden bestimmt einen Fernseher aufstellen, um die EM zu verfolgen. Keine Aktivitäten gibt es auch beim Tourismusverband Tannheimer Tal. Außer einem Plakat, das am Ortseingang von Oberjoch kommend am Straßenrand steht, herrscht Fehlanzeige in Sachen Fußball-EM. Das wird auch 2008 nicht anders sein, 'weil wir weit weg vom Schuss des Geschehens liegen', sagt Michael Keller, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Tannheimer Tal, in dem sechs Gemeinden organisiert sind. Denn die Kosten für Public-Viewing-Veranstaltungen seien einfach zu hoch. Schließlich müssten saftige Beträge für Lizenzgebühren an den europäischen Fußball-Verband Uefa gezahlt werden. Ferner seien die Gäste, die ins Tannheimer Tal kommen, alles andere als Fußball-Fans. Im vergangenen Jahr

'waren die Urlauber froh, als die Fußball-WM vorbei war', meint Keller. 'Unsere Gäste suchen Ruhe statt Rambazamba.' Anders sieht des im Walsertal aus. Auch hier herrscht noch kein EMFieber. 'Wir werden aber 2008 was auf die Beine stellen. Auch wenn dies nur im kleinen Rahmen der Fall sein wird', sagt Winfried Nesensohn, Tourismusdirektor im Kleinwalsertal. Geplant sind öffentliche Übertragungen der Spiele zum Beispiel vor und im Walserhaus. Im Moment gibt es weder in Riezlern noch in Hirschegg oder Mittelberg einen Hinweis auf das kontinentale Championat im nächsten Jahr.

Übertragungen auf Großleinwänden kann sich auch Helmut Kromp, Präsident des SVC Kleinwalsertal, vorstellen. Schon deshalb, weil '85 Prozent unserer Touristen aus Deutschland kommen', sagt der SVCK-Chef. Dass zur Zeit die EM noch völlig am Walsertal vorbeigeht, liege auch daran, 'dass sich die Einheimischen eher für den deutschen als für den österreichischen Fußball interessieren'. Zudem habe das Austria-Team kein gutes Image. Ferner

seien zu wenig frühere bekannte österreichische Fußballstars in das Marke8ting-Konzept des Verbandes eingebunden. 'Wir werden uns was einfallen lassen, dass die EM auch im Walsertal stattfindet', verspricht Kromp.

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