Schwangau
Von Ehehölle und verbotener Liebe

Manchmal offenbaren ein Blick oder wenige Worte, dass die Beziehung zwischen Mann und Frau nicht stimmt. Bei Sieglinde und ihrem Gatten Hunding ist die Zuneigung, falls es sie überhaupt je gab, jedenfalls erkaltet und Argwohn und Angst gewichen. Drohendes Unheil schwingt in jeder Äußerung der beiden mit und führt den Zuhörer beim Wagner-Schlosskonzert auf Neuschwanstein direkt hinein in eine Ehehölle.

Drei Ausschnitte aus Richard Wagners Oper «Die Walküre», dem ersten Tag und zweiten Teil aus der Tetralogie «Der Ring des Nibelungen», entfalten im Sängersaal auf des Märchenkönigs Stein gewordenem Mittelaltertraum dramatische Faszinationskraft. Zwei großartige Sängerdarsteller, Sopranistin Marion Ammann als Sieglinde und Bassist Alfred Reiter als Hunding, interpretieren den ersten Akt der rund vierstündigen Oper so lebensnah, dass das Konzertpodium zur Theaterbühne wird. Sparsame Mimik und wenige Gesten genügen ihnen, um die Situation zwischen dem bedingungslosen Gehorsam fordernden Mann und seiner geknechteten Ehefrau zu umreißen.

Und die gesangliche Interpretation lässt keine Wünsche offen: Psychologisch genau ausgefeilt, musikalisch hoch differenziert und makellos werden zwei charakterstarke Figuren geformt.

Orchester mit Spielkultur

Distanzierter in der Darstellung, doch stimmlich diesem Paar fast ebenbürtig, ergänzt Tenor Jeffrey Dowd als Siegmund das Personal des ersten Aufzugs. Er verkörpert vor allem musikalisch den vom Schicksal gebeutelten, aber mit großer Kraft bedachten Helden, der in Sieglinde die verlorene Zwillingsschwester erkennt.

Mit hoher Spielkultur, aber auch mit der notwendigen Leidenschaft schildert die Staatskapelle Halle unter der Leitung ihres Generalmusikdirektors Karl-Heinz Steffens, wie zwischen den sich wiedergefundenen Geschwistern die Liebe keimt und in glühende Ekstase mündet. Welche Folgen dieser Inzest zeitigt, lässt der zweite Teil des Konzertes mit Vorspiel und Finale des dritten Aktes nur mehr erahnen: In klarer Formation und in stürmischem Ritt führen die Walküren den Helden vom Kampfplatz ins Totenreich.

Und Gottvater Wotan, der Sieglinde und Siegmund zeugte, muss von einem weiteren Kind Abschied nehmen: der Walküre Brünnhilde, die sich wegen des Zwillingspaars seinem Willen widersetzte.

Sonor versenkt Bariton Gerard Kim als noch nicht ganz seine Rolle ausfüllender Himmelsherrscher die Tochter in Schlaf und entzündet um sie ein schützendes Feuer, dessen Flammen das Orchester munter und farbenfroh züngeln lässt.

Ein Abend der Wagners musikalische Illusionskraft in der architektonischen Mittelalter-Illusion Ludwig II. Wirklichkeit werden lässt.

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