Prävention
Von der Flucht in die Internet-Scheinwelt

World of Warcraft, Ego-Shooter und Soziale Netzwerke - ganz selbstverständlich gehören diese Begriffe zum Wortschatz von Schülern. So gab es gestern auch kein Verständigungsproblem zwischen dem Münchener Improtheater «Isar 148» und Achtklässlern von Wittelsbacher- und Philipp-Neri-Schule, Hildegardis-Gymnasium und der Mittelschule Altusried.

Nicht so gut lief dagegen die Verständigung zwischen Eltern und Tochter in einer Spielszene. Etwa, als die Tochter beim Abendessen ankündigt, «meine Gilde wartet». Gemeint ist ihre Gruppe von Mitspielern beim Fantasy-Internetspiel World of Warcraft. Der Vater jedoch antwortet mit dem gut gemeinten Angebot «sollen wir dich da hinfahren?». Das bringt die Tochter auf die Palme. Sie schafft es einfach nicht, ihren Eltern beizubringen, wie bedeutend ihr Spielcharakter ist. Weil es sich aber immerhin um einen «Nachtelf der Stufe 80» handelt, steht das vor Wut schäumende Töchterchen am Ende auf dem Stuhl und keift auf ihre Eltern herab.

Worüber die Achtklässler beim Theater herzlich lachten, hat einen ernsthaften Hintergrund. In verschiedenen Arbeitsgruppen bereiteten sie später die Inhalte nach. Das alles fand unter dem Motto «F1-Online» in der Präventionskampagne «Leben statt schweben» statt. Bei dem Sozialpädagogen Jörn Scheuermann ging es beispielsweise um die Frage, ob es Internetsucht überhaupt gibt. Das ist für die Wittelsbacher-Schüler der Klassen 8a und b ganz klar der Fall.

Online-Spielsucht

Einer von ihnen bekannte sich sogar offen dazu. «Wenn man deswegen Schule oder Freunde vernachlässigt, ist man süchtig», definierte er Online-Spielsucht. Wegen Problemen zu Hause mit der Familie spielte er früher das ganze Wochenende durch - meist ohne Schlaf - als Flucht in eine Scheinwelt. Hilfe bekam er schließlich von Freunden, vom großen Bruder und der Schule.

Im Gespräch mit Scheuermann stellte sich heraus: Jeder der Schüler nutzt das Internet, die meisten intensiv. Alle sind in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Schüler VZ angemeldet. Dass dies etwas mit Gruppenzwang zu tun hat, wollte aber zuerst niemand zugeben. Was die Privatsphäre im Netz angeht, haben sie keine Bedenken. «Die kann man einstellen», erklärte ein Mädchen, dass sie selbst steuern könne, welche Informationen über sie von wem einsehbar sind.

Nicht anschließen wollten sich die Schüler Scheuermanns provokanter Behauptung, das Internet sei die beste Erfindung aller Zeiten. Sie sehen Vor- und Nachteile: «Mit Facebook ist man immer auf dem neuesten Stand», sagen zwei Mädchen. Ein Schüler findet Fußballspielen aber immer noch besser als Chatten und Zocken. «Da muss man sich mehr anstrengen», sagt er. Und das mache immer noch mehr Spaß.

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