Ruderatshofen / Apfeltrang
Vom Scherz zur eigenen Hausbrauerei

Roland Sauter überlegt: «Hmm, was tu ich jetzt noch rein?» Zur Auswahl stehen jede Menge Malzsorten - Carahell, Caramünch, Pilsener, Weizen, Münchener oder Wiener Malz.

Er nimmt die Körner aus den Säcken, schrotet sie und gibt sie in den Maischbottich: Der Gastwirt der Kirnach Stuben in Ruderatshofen braut gerade seinen ersten Dunklen Weizenbock für die Fastenzeit. Neben solchen speziellen Sorten seines «Kirnachtaler Bieres» - in der Adventszeit gab es beispielsweise ein Weihnachtsbier - bietet er Helles und Dunkles Bier sowie Hefeweizen in seiner Gaststätte an.

«Unser Bier kann man nur bei uns trinken», sagt Sauter stolz. Seit nunmehr drei Jahren stellt er einmal die Woche etwa 150 Liter in seiner kleinen Hausbrauerei selbst her, die sich in einem durch Glasscheiben einsehbaren Nebenraum befindet.

«Der Trend von Gaststätten, eigenes Bier zu brauen, lässt sich mit dem Erfolg solcher Vorhaben begründen», meint Ralf Kinkel, Leiter des Amtes für Öffentliche Sicherheit am Landratsamt Ostallgäu. Gäste begrüßten offenbar den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Gaststätte und dem verkauften Produkt. Und das Entscheidende: «Unseren Gästen schmeckts halt einfach sehr gut», haben Roland Sauter und Thomas Petrich häufig gehört.

Gäste trinken deutlich mehr

Sauters Bekannter und Chef der Gaststätte Hubertus in Apfeltrang hat den Stein erst ins Rollen gebracht: «Als ich einen Flyer über einen Brau-Apparat in der Hand hatte, fragte mich meine Frau spaßeshalber, ob ich jetzt auch noch mein eigenes Bier brauen wolle», erzählt Petrich. Aus Spaß wurde Ernst: Nachdem Petrich und Sauter auf einer Messe besagten Apparat genauer unter die Lupe genommen hatten, dauerte es nicht lange - und schon stand die 30000 Euro teure Maschine im Keller der Gaststätte Hubertus. «Im April 2006 hab ich mein erstes ,Apfeltranger Bier gebraut. Nachdems bei mir funktioniert hat, besorgte sich Roland den gleichen Apparat», erinnert sich Petrich. Seither wird in beiden Gaststätten deutlich mehr Bier getrunken. Der Apfeltranger hat die Kosten für seine Brau-Maschine in einem Jahr hereingeholt und ist seither «begeisterter Hobby-Brauer».

Die beiden Gastwirte sehen sich aber nicht als Konkurrenten, sondern geben sich gegenseitig Tipps und Fehler weiter, die sie beim Experimentieren gemacht haben.

«Jedes unserer Biere hat einen individuellen Geschmack und ist ein reines Naturprodukt», findet Sauter. Denn: Es werde nicht pasteurisiert. Daher müsse das Bier allerdings binnen drei Monaten getrunken werden - was bei der relativ geringen produzierten Menge aber kein Problem ist. So nebenbei stellen Sauter und Petrich weitere Produkte her: Bei beiden gibt es Bier-Likör und Treberbrot, in Apfeltrang zudem Malz-Schupfnudeln und Braumalz-Trüffel.

Hausbrauerei auch bald in Wald

«Auch wir wollen ab Oktober Gästen unser selbstgebrautes Bier anbieten», verrät Michael Babel vom Landgasthof Berghof in Wald. Neben dem Haupthaus werde eine Schaukäserei mit eigener Brauerei und Gastronomie eröffnet. Der Gedanke, eigenes Bier zu brauen, sei schon länger da gewesen - dank des Neubaus könne er nun endlich in die Tat umgesetzt werden.

Die Entwicklung der kleinen Hausbrauereien beobachtet das Allgäuer Brauhaus ganz genau, sieht sich aber nicht in direkter Konkurrenz: «Wir glauben vielmehr, dass diese individuellen Anbieter den Biermarkt bereichern und somit eine gute Ergänzung zu regionalen und nationalen Bierbrauern sind», sagt Marketingleiterin Karin Siegert. Wer ein gutes Gesamtkonzept in Sachen Image, Marke, Sortiment und Aktivitäten biete, habe eine Daseinsberechtigung auf dem Markt.

Sowohl solche Groß- als auch die kleinen Haus-Brauereien würden sich seit Jahren gut entwickeln.

Inzwischen ist Sauters Dunkler Weizenbock am Gären. Der Gastwirt notiert sich die Kilos der verschiedenen Malz-Körner genau, die er für das Fastenbier verwendet hat und meint zu seinem Rezept: «Wenns nix wird, mach ich halt Bier-Essig daraus.»

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