Oberreute
Vom Milchgeld der Familie Hitzhaus

Das Wettmelken beim Kandidatentreffen auf dem Bauernhof hatte ja noch Spaß gemacht. Den Zuschauern auf jeden Fall - und auch die Stallknechte aus der Politik wirkten recht vergnügt. Betretene Gesichter jedoch gab es kurz darauf, als Herta Hitzhaus in ein paar knappen ernsten Sätzen die Situation des Familienbetriebs umriss und anhand der von den Politikern frisch gemolkenen Milch deutlich machte, wie schlecht Bauern für ihre Arbeit entlohnt werden.

Etwa zehn Liter Milch hatten die fünf Bundestagskandidaten und der Oberreuter Bürgermeister durchschnittlich gemolken. Bei 23 Cent pro Liter ergäbe das einen Ertrag von 2,30 Euro. «Legt uns das Gleiche nochmal drauf, dann können wir existieren», sagte die Landwirtin den Gästen, bevor sie am Beispiel ihres Hofes die Lage der Landwirtschaft schilderte:

23 Kühe und 15 Stück Jungvieh stehen im Stall und auf der Weide, 27 Hektar Land werden bewirtschaftet. Josef Hitzhaus geht neben der Landwirtschaft einem Halbtagsjob nach, Herta Hitzhaus arbeitet voll daheim «Von der Arbeit her müssten wir beide daheim bleiben, finanziell geht es aber nicht», sagt die 53-jährige Bäuerin.

Vor fünf Jahren hat die Familie Stall gebaut. «Wir haben den Schritt gewagt, weil wir mit Leib und Seele Bauer und Bäuerin sind, erläutert Herta Hitzhaus. Und macht dann die Milchrechnung auf: «Seit Januar fehlen mir 7000 Euro, damit unsere Unkosten gedeckt sind. Das wäre, wenn ich 35 Cent pro Liter bekäme. Wenn ich von 40 Cent ausgehe, fehlen mir 12000 Euro.» Im letzten Monat seien folgende Rechnungen eingegangen: 1000 Euro für Ballenpressen, 1100 Euro für Diesel, 600 Euro für Kraftfutter. «Damit ist das Milchgeld weg - und gelebt haben wir dann noch nicht.»

«Wie soll es weitergehen?»

Womit sie im nächsten Monat ihren Kredit vom Stallbau bedienen soll, wisse sie noch nicht. «Reserven haben wir keine, die stecken im Stallbau.» Ihr Resumee: «Wir wissen nicht, wie es weiter gehen soll.»

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