Burgberg
Vom Leben in Asiens Steppe

«Guten Morgen, Frau Aina.» So schallte es stets der Lehrerin entgegen, als sie in den letzten drei Wochen den Klassenraum der Burgberger Erstklässler betrat. Frau Aina, mit Nachnamen Boobekowa, ist den Abc-Schützen inzwischen vertraut. Wie eine Allgäuerin sieht die Lehrerin nicht aus. Die Deutschlehrerin stammt aus Mittelasien, aus Kirgisistan, eine frühere Republik der Sowjetunion. Heute hat Frau Aina das Modell einer Jurte in den Unterricht mitgebracht, aus Schafwolle gefertigt und hübsch verziert. In den heimatlichen Dörfern, erklärt die Kirgisin, sind Jurten die Häuser der Nomaden.

Aina Boobekowa ist eine von 54 Lehrern weltweit, die über den Pädagogischen Austauschdienst der bundesrepublikanischen Kultusminister hierher gekommen sind. Im Oberallgäu ist sie gar die einzige Teilnehmerin an diesem Austauschprogramm. Die Burgberger Grundschul-Leiterin Barbara Herlein, hat ihre asiatische Kollegin aufgenommen. Inzwischen ist man per du. «Sie sind alle sehr freundlich», macht die Kirgisin ihren Kontaktpersonen Komplimente. Die Sprache ist ihr als Deutschlehrerin ja nicht unvertraut. Nur mit den vielen «Sch-Lauten» im schwäbischen Dialekt hat sie einige Mühe.

Aina Boobekowa unterrichtet in ihrer Heimat an einer Grundschule und gleichzeitig an einem Gymnasium. In der kirgisischen Hauptstadt Bischkek hat sie fünf Jahre lang Deutsch studiert. In ihrem kleinen Dorf lernte sie bereits ab der fünften Klasse die Sprache Goethes und Schillers, gleich nach der ersten Fremdsprache, nämlich Russisch. Frau Aina lächelt, wen sie gefragt wird, warum es ausgerechnet Deutsch sein musste: «Ich habe damals für meine Deutschlehrerin geschwärmt». Es muss eine Pädagogin mit Überzeugungskraft gewesen sein. Drei weitere Mädchen in dem Dorf wählten als Studienfach ebenfalls diesen fremden Zungenschlag.

In der Landeshauptstadt wird immens gebüffelt. Unterricht ist von 8 bis 17.30 Uhr, auch samstags. Die Schüler in Deutschland - so staunt die Kirgisin - seien disziplinierter. Die Lehrerin verwundert: «Sie sind alle pünktlich.» Weiter ist ihr aufgefallen, nachdem sie vor ihrem Aufenthalt in der bereits an der Hauptschule und am Gymnasium Immenstadt hospitiert hatte: «Die Kinder können ihre Meinung frei äußern.»

Viele Fotos sind während ihres Aufenthalts entstanden - vom Allgäu, vom Bodensee von München. Auch Schloss Neuschwanstein gehörte dazu. All dies wird sie in einer Wandzeitung daheim ausbreiten. Die Erst- bis Viertklässler sind traurig, dass Frau Aina nun wieder geht, ohne dass die Allgäuer Kinder noch mehr Kirgisisch lernen konnten. Ein bisschen was saß schon. Zuletzt sagten sie nicht mehr «Guten Morgen, Frau Aina», sondern wie in Kirgisistan: «Salamatsynby».

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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