Memmingen
Vom Höhenrausch in der Todeszone

Die Aula des Memminger Vöhlin-Gymnasiums ist randvoll. Schüler und Erwachsene sitzen Kopf an Kopf und recken die Hälse, als der von allen erwartete Gast das Podium betritt. Allerdings hat kein Schauspieler und keine Sängerin die vielen Zuhörer angelockt, sondern eine Journalistin - aber eben nicht irgendeine: Marietta Slomka vom ZDF-«Heute-Journal» nimmt vor dem Mikrofon Platz. Die Moderatorin der bekannten Nachrichtensendung liest auf Einladung der Memminger Europa-Union aus ihrem Jugendbuch «Kanzler lieben Gummistiefel: So funktioniert Politik» und beantwortet in lockerem Ton Fragen rund um ihre Arbeit als TV-Redakteurin.

Allerdings hat kein Schauspieler und keine Sängerin die vielen Zuhörer angelockt, sondern eine Journalistin - aber eben nicht irgendeine: Marietta Slomka vom ZDF-«Heute-Journal» nimmt vor dem Mikrofon Platz. Die Moderatorin der bekannten Nachrichtensendung liest auf Einladung der Memminger Europa-Union aus ihrem Jugendbuch «Kanzler lieben Gummistiefel: So funktioniert Politik» und beantwortet in lockerem Ton Fragen rund um ihre Arbeit als TV-Redakteurin.

Politik ist für die 40-Jährige - die vor ihrer Lesung Verwandte in Memmingen besucht hat - «spannend wie ein gutes Fußballspiel». Aber um richtig Spaß beim Fußball-Gucken zu haben, müsse man sich mit dem Spiel auskennen, müsse die Tricks der Trainer und die Taktik durchschauen. Gleiches gelte für die Politik. Denn wer die Hintergründe verstehe, könne das politische Geschehen mit mehr Vergnügen verfolgen. So erzählt sie ihren Zuhörern am Vöhlin-Gymnasium etwa, wie ein Tag im Leben der Bundeskanzlerin aussieht und wie es im Kanzleramt zugeht.

Letzteres habe der ehemalige Außenminister Joschka Fischer als Todeszone bezeichnet. «Dort ist die Luft dünn», sagt Slomka, «es weht ein eisiger Wind und ein Fehltritt reicht für einen tödlichen Absturz». Zudem sei es an der Spitze einsam. «Fairness kann man vergessen», soll Angela Merkel einmal gesagt haben.

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Darüber hinaus werde ein Kanzler bei einem 16- bis 18-stündigen Arbeitstag im Vergleich zu Wirtschaftsbossen «relativ schlecht bezahlt» - 19000 Euro brutto verdient die Regierungschefin im Monat. «Aber warum setzen sich Spitzenpolitiker dann überhaupt diesem Stress aus?», fragt Slomka und gibt zur Antwort: In vielen Fällen seien es Macht und Aufmerksamkeit, die man bekomme. Und beides könne süchtig machen. Manche Politiker würden in einen wahren «Höhenrausch» verfallen.

Gefragt nach der Macht der Medien, stellt die Nachrichten-Redakteurin klar: «Die Macht, Meinung zu machen, wird überschätzt. Das wäre im Übrigen auch nicht der richtige Ansatz für einen Journalisten.

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» Und selbst wenn man versuchen würde, eine Kampagne für etwas zu starten, gäbe es genügend andere Medien, die das durchschauen und aufdecken würden. In diesem Zusammenhang betont Slomka auch, dass die Politik keinen Einfluss auf die journalistische Arbeit bei den öffentlich-rechtlichen Sendern habe.

Am Ende des Nachmittags möchte eine Zuhörerin noch wissen: «Wo gehen eigentlich die alten Moderatorinnen hin, man sieht doch nur junge im Fernsehen.» Darauf Slomka: «Ich denke, wir bleiben.»

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Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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