Neugablonz / Irsee
Vom Hausmusik-Kreis zu den Neugablonzer «Sinfonikern»

Als Hedwig Fabian-Krause kürzlich Haydns «Jahreszeiten» zum Abschluss des Festivals Klang&Raum in der Irseer Klosterkirche lauschte, musste sie noch mehr als sonst an ihren verstorbenen Mann denken. Der Unternehmer und begeisterte Musiker Josef Fabian-Krause war nicht nur ein früher Anhänger des musikalischen Klang&Raum-Leiters Bruno Weil, sondern selbst viele Jahre Dirigent des Gablonzer Amateur-Orchesters. Sein Todestag jährte sich in dieser Woche zum 20. Mal.

«In der alten Heimat hat fast jeder ein Instrument gelernt und es gab viele Musikgruppen und Konzerte», erinnert sich Hedwig Fabian-Krause, die heute in Irsee lebt. So bekam auch ihr 1921 geborener Mann ab dem zehnten Lebensjahr Musikunterricht, spielte Geige und Trompete und war schon mit 14 Jahren Mitglied in zwei Orchestern. Ein Musikstudium kam für den Waisen, der von der Familie von Friedrich Krause aus Labau adoptiert wurde, aus wirtschaftlichen Gründen jedoch nicht in Frage. So erlernte er den Beruf des Exportkaufmanns, pflegte sein großes Hobby aber in der Freizeit mit viel Hingabe. 1940 wurde Josef Fabian-Krause zum Kriegsdienst eingezogen.

Doch selbst, als er nach einer schweren Verletzung an der Ostfront ins Lazarett nach Köthen (Sachsen-Anhalt) kam, habe er sich dort mit weiteren musikalisch gebildeten Kameraden zusammengetan, um Gottesdienste am Ort zu gestalten.

Akkordeonspiel beschert vorzeitige Übersiedlung

1945 kam er zurück nach Gablonz, wurde jedoch umgehend zur Zwangsarbeit in den tschechischen Teil Böhmens deportiert. Sein Akkordeonspiel machte aber der neuen Obrigkeit offensichtlich so viel Freude, dass er und seine Familie bereits 1947 vorzeitig nach Kaufbeuren übersiedeln durften.

Josef Fabian-Krause baute eine eigene Firma zur Glaswarenerzeugung auf, gleichzeitig sorgte er aber auch für die Wiederbelebung der aus dem Isergebirge mitgebrachten Musiktradition. Ab 1951 versammelte er wieder regelmäßig Musikfreunde in seinem Wohnzimmer, der Kreis wuchs stetig und 1954 wurde das Orchester «Freunde der Hausmusik» gegründet. Wenig später hatte sich die Hausmusik-Runde zum stattlichen Salon-Orchester mit gut 40 Mitgliedern entwickelt. Bei vielen Kursen und Konzerten - unter anderem am Augsburger Theater, wo Bruno Weil damals den Taktstock schwang - habe Josef Fabian-Krause sein Können als Dirigent verbessert, berichtet seine Frau.

Die Programme der regelmäßigen Konzerte wurden ambitionierter und gingen immer öfter in die sinfonische Richtung. So mussten bisweilen bei Konzerten Berufsmusiker des Münchner Rundfunkorchesters die «Freunde der Hausmusik» unterstützen - vor allem bei den nicht so weit verbreiteten Instrumenten wie Fagott oder Oboe. «Die kamen dann am Vormittag vor dem Konzert zum Proben und ich habe für alle Gulasch gekocht», erinnert sich Hedwig Fabian-Krause.

Durch seine Beziehungen gelang es Josef Fabian-Krause auch immer wieder, namhafte Sänger für die Konzerte im Gablonzer Haus zu verpflichten - zum 25-jährigen Bestehens des Orchesters beispielsweise den fernseherprobten Kammersänger Kurt Böhme. Aus gesundheitlichen Gründen gab Fabian-Krause 1983 den Taktstock an Emil Bosch ab und wurde zum Ehrendirigenten ernannt.

Für sein kulturelles Wirken wurde er zudem mit der Oswald-Wondrak-Medaille ausgezeichnet.

Das Fehlen des musikalischen Nachwuchses und das immer größere kulturelle Angebot verschonten jedoch auch die «Freunde der Hausmusik» nicht. Anfang der 90er Jahre wurde das Neugablonzer Orchester aufgelöst.

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