Neugablonz
Vom Freibad bis zum Schulprojekt

Wenn Erhan nach einem Kopfsprung aus dem Wasser des Neugablonzer Freibades auftaucht, wird er kaum daran denken, dass beim Umbau im Jahr 2004 der Integrationsgedanke im Vordergrund stand. Und die älteren Damen, die dort jeden Morgen ihre Runden drehen, dürften sich ebenso wenig als Teil einer Begegnungsstätte vieler Nationalitäten und Bevölkerungsschichten sehen. Doch es ist so: Das Bad wurde einst gut zur Hälfte mit Geld aus dem Städtebauförderungsprogramm «Stadt- und Ortsteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - die Soziale Stadt» auf Vordermann gebracht. Ein Pilotprojekt in Schwaben, da es als Freizeiteinrichtung auch ein Treffpunkt der vielen verschiedenen Menschen in Neugablonz ist.

«Soziale Stadt» - seit zehn Jahren gibt es dieses Programm, und kein anderes hat in dieser kurzen Zeit mehr Mittel in den größten Kaufbeurer Stadtteil gespült, mehr verändert und mehr eigenes Engagement der Bewohner angestoßen. «Die Stimmung war damals ausgesprochen schlecht», so Dr. Marie-Therese Krings-Heckemeier vom Berliner Wirtschafts- und Sozialforschungsinstitut Empirica, das im Jahr 2002 im Auftrag der Stadt eine umfassende Analyse für Neugablonz vorgelegt hatte. Co-finanziert, also gleichermaßen mit den Bund-Länder-Mitteln und Geld der Stadt umgesetzt, wurden seitdem bauliche wie soziale Vorhaben.

Neben dem erneuerten Freibad und dem umgestalteten Trümmergelände gingen Wettbewerbe für die Erweiterung der Christuskirche und die Umgestaltung des Neuen Marktes aus der «Sozialen Stadt» hervor. Selbst der begonnene Umbau eines Einkaufszentrums in der Neugablonzer Mitte ist eine Folge davon.

Werner Fehr von der städtischen Bauverwaltung weist aber auch auf Dinge hin, die sich nicht so im öffentlichen Bewusstsein festgesetzt haben, darunter Markt- und Standortanalysen, eine sozialräumliche Analyse und eine Bewertung, deren Ergebnisse bald dem Stadtrat vorgelegt werden sollen. Deutlich mehr als vier Millionen Euro sind in den vergangenen sieben Jahren ausgegeben worden; mehr als die Hälfte davon kam aus dem Bund-Länder-Topf. «Die Zufriedenheit in Neugablonz ist deutlich gestiegen», so Krings-Heckemeiers Fazit.

Sie verweist auf ein Bündel von Einzelprojekten, die alle ineinandergreifen. Dabei gehe es nicht nur um Vorhaben der Stadt, sondern auch um Modernisierungsarbeiten des Gablonzer Siedlungswerkes sowie die vielen Integrationsprojekte wie der Bunte Garten und der Kleiderladen. «Die Bewohner erwarten, dass nun auch am Neuen Markt über die Planung hinaus mehr passiert», so Krings-Heckemeier. Noch heuer soll dort mit der Umgestaltung begonnen werden. Im Herbst wird das Neugablonzer Zentrum voraussichtlich mittels einer Passage an das Einkaufszentrum am Platz des ehemaligen Hotels Europa angebunden.

Eine beratende Lenkungsgruppe mit Vertretern aus Politik, Stadtverwaltung, Wirtschaft sowie verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen wurde einst eingesetzt, um Vorhaben voranzutreiben, die sich aus dem Programm «Soziale Stadt» für Neugablonz ergeben, ohne dass bauliche und soziale Projekte allzu isoliert behandelt werden. Beispiel hierfür sind die LOS-Projekte (Lokales Kapital für soziale Zwecke), deren Bandbreite vom Neugablonzer Stadtteilbüro bis zu einem neuen Vorhaben der Gustav-Leutelt-Schule reicht, bei dem Schüler Spielgeräte für das Freizeitareal am Trümmergelände erstellen.

Im Stadtteilbüro, das im Oktober fünfjähriges Bestehen feiert, sitzt Susanne Sauter. Als Quartiermanagerin sieht sie sich als Koordinatorin, Beraterin und Vermittlerin. «Ich spüre eine deutlich größere Zuversicht heute», sagt sie. Die vielen Projekte - sie zeigten Wirkung. Vor allem freut sie, dass sich die Bewohner als Teil dieser Projekte sehen und nicht passiv alles über sich ergehen lassen. Neben den sozialen Vorhaben hat die Stadt weitere bauliche Ziele: die Erweiterung der Christuskirche, ein neues Jugendzentrum, den Umbau der TVN-Sportanlagen. Und selbst der Ungeduld wegen der schleppenden Umgestaltung des Neugablonzer Zentrums lässt sich etwas Positives abgewinnen: Auch sie ist eine Folge der Aufbruchstimmung.

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