Kempten
Vom Feinsten

So hat man sinfonische Musik in Kempten wohl noch nicht erlebt. Das «Royal Philharmonic Orchestra» London unter der Leitung von Leonard Slatkin bot in der «Klassikbox» eine Spitzenleistung in höchster Aufführungsqualität. Der amerikanische Dirigent hat ungefähr 90 brillante Musiker zu einem imposanten Klangkörper mit Weltruf vereint.

Im Zentrum des Abends stand die Fünfte Sinfonie von Gustav Mahler. Die Musik Mahlers ist Widerspiegelung der Weltsicht des Komponisten, die geprägt ist von depressiven, düster-fatalistischen Stimmungen. «Überall ist das Elend zu Hause, und es legt die seltsamsten Kleider an, um die armen Menschenkinder zu verspotten», schrieb er in einem Brief vom 1. November 1880 an Emil Freund. Die musikalische Bilderwelt des Spätromantikers hat so gleichzeitig etwas Irreales und Expressionistisches.

Beeindruckende Gestaltung

Die Gestaltung und Interpretation der Sinfonie mit fünf verschiedenartigen Teilen, die dennoch (aufgefasst als zwei Doppelsätze und einem Scherzo) der klassischen Form genügen, ist Slatkin in beeindruckender Weise gelungen.

Dass die Musik auch technisch höchste Ansprüche stellt, hat Mahler selbst mehrfach betont. Es war begeisternd, was das Orchester musikalisch und an interpretatorischem Tiefgang zu bieten hatte: Eine unglaubliche dynamische Bandbreite, vom zartesten Pianissimo bis zum mächtigen Fortissimo, gepflegt phrasierte Streicherpartien und sorgfältige Einbettung der verschiedenartigsten Solostellen. Die Bläser faszinierten durch hohe Präzision bei den Einsätzen, durch Tonsicherheit und Homogenität. Alles war vom Feinsten!

Mageres Programmheft

Im Programmheft war über die «Fünfte» kein Satz zu lesen. Gar so wörtlich hätten die Autoren Mahler nicht nehmen müssen, wenn er sagt: «Fort mit den Programmen, die falsche Vorstellungen erzeugen».

Das Konzert begann mit der gefälligen (Ballett-)Musik «Appalachian Spring Suite» des amerikanischen Komponisten Aaron Copland, der ein musikalisches Gemälde einer Farmerfamilie und des Frühlings im Gebirge zeichnet mit vielen romantischen Naturschilderungen bis hin zur Imitation von Vogelstimmen.

Rauschender Beifall

Das eklektizistische Werk, Einflüsse von Strawinsky, Sibelius und Gershwin sind unüberhörbar, wurde vom ersten Takt an romantisch-schön musiziert. Das Publikum spendete rauschenden Beifall, der leider nicht mit einer Zugabe belohnt wurde.

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