Sonthofen
Voluminös und doch graziös

Rundum witzig - im wahrsten Sinne des Wortes - präsentiert sich das Programm «Alles (Ein-)Bildung?» der «Prima Tonnen» in der zum Bersten vollen Sonthofer Kultur-Werkstatt. Die beiden «Tonnen» Johanna Wolff von Schutter und Bettina von Haken schlagen zusammen mit der Liedermacherin Edeltraud Rey eine breite Schneise quer durch die Themen der deutschen Kabarett-Landschaft und starten mit einer mächtigen Portion Selbstironie einen Großangriff auf die Lachmuskulatur der Zuschauer. Risiken und Nebenwirkungen: Zwerchfellmuskelkater und tiefe Lachfalten. Zumindest gegen Letzteres wissen die Vollschlanken ein gutes Rezept: «Jedes Jahr a bissl zunehmen, dann ziehts die Falten von ganz alleine auseinander!»

Deftig, kräftig, reichhaltig und wunderbar bayrisch geht es zu, wenn die «kabarettistische Gegenbewegung zum Schlankheitswahn» ihre schweren Geschütze aufzieht. Ob musikalisch oder im Sketch; seien es die VHS-Kurse «Dinge basteln, die keiner braucht», Leerverkäufe von oberbayrischer Gebirgsluft oder die Feinstaubplakette für Fußgänger - die bayrischen Pfundsweiber nehmen kein Blatt vor den Mund und beweisen auf der Bühne nicht nur Schlagfertigkeit, sondern auch ein umfangreiches Repertoire an Persönlichkeiten. So wird aus der Weißbier trinkenden Wirtshausbesucherin der spionierende Gartenzwerg und aus der dümmlich lächelnden Musikantenstadel-Parodie das schwere «leichte Mädchen» im Sommerlook: Statt Lack und Leder trägt die modische «Bordsteinbombe» figurbetontes Latex im knalligen Sonnengelb.

Unbestritten kulminiert jedoch alle Verwandlungskunst der Freundinnen in ihrer Darstellung der russischen Prima Ballerinas vom Bolschoitheater, die «heute nur noch auf kleines, überfülltes Holzbühne in Sonthofen» ihre voluminöse Grazie unter Beweis stellen. Selten kann man auch aus den letzten Reihen bei einer Balletttänzerin so kolossal den sterbenden Schwan mit Schuhplattel-Einlage beobachten. Gebannt kann man sich nur schwer halten. Doch zumindest dem männlichen Teil des Publikums gelingt dies für eine Schrecksekunde: Als für die abschließende Hebefigur ein Herr gesucht wird.

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