Bad Grönenbach
Voller Überraschungen

Zwei ganz unterschiedliche Maler - Bertram Schilling und Stefan Winkler - und Oliver Köhl mit Holzplastiken und Fotos gestalten die Ausstellung «Sekundenschlaf» zum Abschluss der Sommerfrische im Hohen Schloss in Bad Grönenbach. Ihnen gelingt eine spannungsgeladene Schau mit einer enormen Fülle an Werken.

Dass er den Kunstpreis der Stadt Kempten heuer zurecht bekam, beweist Stefan Winkler aus Immenstadt: Er ist ein Meister der Graustufen, bevorzugt das farbliche Understatement. Fast schwarz-weiß gemalt, Farben nur in gedeckten Tönen verwendend, werfen seine Bilder doch tiefe Blicke hinein ins Leben und spielen mit dem Thema «Schein und Sein». Da geht es um Versteck-Versuche hinter der Mickey-Mouse-Maske oder der Clownsnase. Ein Männer-Antlitz scheint mystisch durch lasiert-neblige Farbflächen («Das, was wir sehen»). Natur und Technik gehen wilde Fusionen ein: Fels, Fichte, Beton und Stahl mischen sich zu utopischen Landschaften. Ausschnitte des Alltags werden lapidar und ungeschminkt hingemalt. Der Blick von der Autobahn-Brücke, ein Gummibaum. Pure Anti-Romantik.

Und doch geht in dieser absoluten Sachlichkeit eine Tür auf. Der Blick durch den Maschendrahtzaun auf eine Spur («Einschlittschuhlauf»), oder durch ein Gitter auf eine Badeanstalt - da schwingt das «Dahinter» sowieso mit. Aber eine merkwürdige Transzendenz entsteht auch bei einer strengen Studie wie einem Ventilator, wo das Muster des Gitters zu oszillieren beginnt und Struktur Klang wird. Herb und unheroisch keimt hier Schönheit im Hässlichen. In diesen Bildern gibt es keinen Musikantenstadel-Trost und keine Kuhstall-Wärme. Da wird die Welt gezeigt, wie sie ist. Ohne Hoffnung, aber mit Humor. Wer vor Ort ist, sollte sich unbedingt in Winklers aufliegendem Katalog die «Jäger-Studien» anschauen.

Starke Collagen

Von Bertram Schilling, wohnend in Sonthofen und München, beeindrucken am stärksten die Collagen. Virtuos-verspielt, voller Überraschungen, entstehen durch geschickt kombinierte und bearbeitete Fundstücke ganz eigene, schillernde Welten. Einige großformatige Bilder kommen auf den ersten Blick wie gut gelaunte, farbenfrohe Kindermalereien daher. Schrilles Pink oder Türkis kontrastiert mit erdig-dunklen Tönen. Doch auch der manchmal fette Farbauftrag kann nicht darüber hinwegtäuschen: Für diese großen Flächen fehlen der Schwung und die Vitalität. Manches zerfällt und wirkt gestückelt. Im Griff hat der Künstler bislang nur die kleineren Formate.

Archaische Sprache

Oliver Köhl aus Kempten stellt Tunnel aus Lärchenholz-Latten in den Raum. Durch den Kontrast zwischen blau besprühten und naturbelassenen Flächen entstehen verblüffende Wirkungen und es macht Spaß, die Veränderungen dieser Gebilde im Wechsel der Perspektive zu studieren. Eine archaische Sprache sprechen die bemalten Holz-Stelen, die Köhl auch zu Foto-Serien geschickt nutzt. Spürsinn beweist er mit Fotos von «Alltags-Nichtigkeiten» wie zum Beispiel einem alten Fabrikfenster, das bei genauer Betrachtung ein ganzes Universum an Lichtspiegelungen birgt.

Dauer Geöffnet bis zum 18. Oktober Mittwoch bis Samstag von 15 bis 18 Uhr, Sonntag von 11 bis 18 Uhr.

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