Vögel tragen einen Kompass im Herzen

von Armin Dorner
| Lindau Wo haben Zugvögel ihr Orientierungsgefühl, ihren ?Kompass? sitzen? ? Die Frage des Nobelpreisträgers Peter Grünberg fasziniert die kleinen Forscher im Kindergarten St. Ludwig in Lindau, den der weltbekannte Physiker (Spezialgebiet Magnetismus) gestern besuchte. Für die fünfjährige Franca ist klar: ?Den haben die Vögel im Herzen?.

Wenn die Antwort auch nicht ganz stimmt, denn dieser ?magnetische? Sinn sitzt in der Nähe der Nase, wie Grünberg weiß, so ist der Wissenschaftler doch ehrlich beeindruckt, was die Kinder alles an fantasievollen Experimenten zum Thema ?Luft? vorbereitet haben.

Die Leiterin der Tagesstätte, Carmen Beck-Grad, hatte den Kindern die Frage gestellt: Warum können Vögel fliegen? Und: Wie finden Zugvögel ihren Weg? Schon sei man beim Wort ?Kompass? und damit beim ?Magnetismus? angekommen.

Mit Strohhalmen und Papierstreifen baut eine Gruppe Flugobjekte, die sie Grünberg (?Ihr dürft Peter zu mir sagen?) um die Ohren sausen lassen. Die zweite Gruppe pustet durch einen Schlauch, um den Ball am anderen Ende zum Schweben zu bringen.

Die dritte Gruppe bastelt einen zweilagigen Papierflügel, erzeugt Unterdruck durch Blasen, um den Flügel zu heben. Sie wissen, dass kleine Vögel öfter mit den Flügeln schlagen müssen als große, weil die Flügelfläche kleiner ist.

?Ich habe was dabei gelernt?, gesteht Grünberg später. Nebel umspült die Tragflächen. Man sieht, dass er über die obere Wölbung schneller fließt. ?Das ist mir jetzt aufgegangen?, sagt er den Reportern ins Mikrofon.

Der Naturwissenschaftler aus dem Helmholtz-Forschungszentrum Jülich, 1939 in Pilsen geboren, hat selbst vier Enkel, davon einer im Kindergartenalter, erzählte er, während er aufmerksam und durchaus bewundernd beobachtet, was die Fünf- und Sechsjährigen mit Eifer erstellt haben.

Wörter wie ?Erdanziehungskraft? gehen dem Nachwuchs leicht von den Lippen. Grünberg fragt: Welcher Ball fällt schneller, ein großer oder ein kleiner? Und weil sich die Kinder nicht einig sind, wird sogleich der praktische Versuch gemacht. Nahezu gleich schnell. Die Feder hingegen braucht wesentlich länger. ?Die Luft bremst die Feder?, beschreibt der Professor das physikalische Ergebnis. Im Vakuum, dem luftleeren Raum, würden beide gleich schnell fallen.

Voller Stolz zeigt eine Gruppe wie sich Eisenpulver auf Löschpapier wie von unsichtbarer Hand bewegt, wenn man mit einem Magneten drunterfährt.

Als die Kinder die Frage Grünbergs nach dem Plus- und Minuspol auf dem ?Magnet Erde? richtig beantworten, staunt selbst die Kindergärtnerin: ?Das ist nicht abgesprochen?.

Und weil sein Versuch, einen dünnen Nagel auf der Wasseroberfläche zu halten misslingt, verspricht der geduldige Wissenschaftler, ?einen Draht aus Jülich? zu schicken, mit dem das Experiment sicher gelingen soll. ?So halten wir einen Draht zum Professor?, freut sich Carmen Beck-Grad.

Grünberg gibt ihr Recht als sie sagt, ?die Kinder brauchen Zeit zum Reifen und zum Spielen, um ihre Neugierde leben zu können. Das Leben ist für die Kinder ein Experiment?. Von einem ?akademischen Training? im Kindergarten hält Grünberg nichts.

Bedeutung der frühen Bildung

Mit seinem Besuch habe der Nobelpreisträger von 2007 ?die Bedeutung der frühen Bildung in den Mittelpunkt gerückt?, fühlt sich die Leiterin geehrt. Mit einem Lied (?Ich bin da, das ist wunderbar?) wird Grünberg begrüßt, mit einem Lied (?Auf Wiedersehen, die Zeit mit Dir war wunderschön?) verabschiedet. ?Bleibt neugierig!?, ruft er der emsigen Schar zu, ehe es zurückgeht in die Inselhalle.

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