Marktoberdorf / Ostallgäu
Virtuell in den Rollstuhl gesetzt

Das negative Altersbild der Gesellschaft, das die Senioren «virtuell in den Rollstuhl» setze, kritisierte Professor Peter Paul Gantzer (SPD) bei einem Vortrag in Marktoberdorf. Der Vizepräsident des Bayerischen Landtags referierte beim SPD-Ortsverein über den demografischen Wandel.

Nach Grußworten des Ortsvorsitzenden Christian Wagner und des Bundestagskandidaten Rolf Spitz stellte Gantzer Thesen aus seinem Buch «Alt ist was» vor. Dieses habe er aus seiner persönlichen Situation heraus verfasst. Regelmäßig werde er von Kollegen gefragt, wann er in Rente gehe. «Aber wenn du in Pension gehst, bekommst du einen Stempel drauf: alt und zur Entsorgung freigegeben», sagte der 70-jährige Politiker.

Er betonte, wie fit und leistungsfähig viele ältere Bürger seien, wenn sie sich richtig ernährten sowie ausreichend körperlich und geistig bewegten. Für die Rentenmisere macht der 70-Jährige hingegen «falsche politische Entscheidungen der Vergangenheit» sowie die niedrige Geburtenrate in Deutschland verantwortlich.

Leiden an der «Unterjüngung»

Zwar sei die mittlere Lebenserwartung in den letzten hundert Jahren kräftig gestiegen, «von 58 Jahren auf heute 78». Ebenso kräftig falle aber die Geburtenrate: So habe 1960 eine Frau hierzulande im Schnitt 2,3 Kinder bekommen, heute seien es nur noch 1,3. «Wir leiden an einer Unterjüngung, nicht an Überalterung», so Gantzer.

Als falsche politische Entscheidungen prangerte er unter anderem die Altersteilzeit-Regelungen an. Diese hätten keinen einzigen Arbeitsplatz für Junge geschaffen. «Stattdessen sanierten sich die Betriebe, weil sie Ältere rausschmeißen konnten, die jetzt keine Rentenbeiträge mehr zahlen.» Auch die Finanzierung der Ostrenten über Rentenbeiträge kritisierte Gantzer. Nach finnischem Vorbild fordert er ein flexibles, intelligentes Rentensystem: «Jeder Mensch soll so lange arbeiten, wie er will und kann.»

Private Vorsorge nötig

Landtagsabgeordneter Dr. Paul Wengert kritisierte wie Gantzer in seinem Schlusswort die «Altersfeindlichkeit» der Gesellschaft. In der Diskussion nach seinem Vortrag wurde Gantzer nach dem Generationenvertrag und nach steuerfinanzierten Rentenmodellen wie in Schweden oder in der Schweiz gefragt. Der Generationenvertrag sei seit 1990 vorbei, private Vorsorge sowie eine Systemänderung bei der Rente dringend nötig, so Gantzers klare Aussagen.

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