Fischen
Vier Virtuosen und ihre Folklore-Leidenschaft

Bizarr: Mit einer gusseisernen Schraubzwinge in Händen machte der Vorsitzende der Sonthofer Gesellschaft «Freunde der Musik», Dr. Karl Gogl, seine Ansage in der Fiskina. «Sie wundern sich natürlich», erklärte er den 600 staunenden Besuchern, «aber als das Ensemble Ambar gestern aus Paris anreiste, hatte sich die Fichtenholz-Decke der Gitarrone, einer hierzulande unbekannten Bass-Gitarre, von der Zarge abgelöst. Mit dieser Zwinge, etwas Leim und Klebeband habe ich den Schaden provisorisch behoben. Hoffentlich hält jetzt das Instrument bis zum Ende des Konzerts.»

Gespannt beobachtete das Publikum dann auch den Auftritt und das Spiel von Nelson Gomez. Der bearbeitete allerdings seine Riesen-Knickbauch-Gitarre scheinbar völlig unbekümmert mit jener Folklore-Leidenschaft, die auch seinen zwei kolumbianischen Landsleuten neben ihm eigen ist: Francisco Gonzalez (spanische Gitarre, Gesang) und Juan Fernando Garcia (Percussion, Flöte).

Spezifisch russisches Flair brachte Sasha Rozhdestvensky an der Geige noch zusätzlich ins Spiel.

Musikantische Folklore-Leidenschaft - ja, aber diese vier klassisch ausgebildeten Virtuosen begeisterten die Fiskina-Besucher mit latino-karibischen Rhythmen und Melodien auf einem Niveau, von dem ein Volksmusikant nur träumen kann:

Teufelsgeiger Rozhdestvensky hetzt etwa beim «Diablo Suelto» oder auch beim «Patasdilo»-Tanz seinen Bogen über die Saiten zu rasanten Läufen, durchsetzt von Spicati und Flageoletts. Die Maracas des (auch herrlich querflötenden) Percussionisten Garcia, wirbelschnell kreuz und quer ausschlagend, ernten nach einem Solo rauschenden Extrabeifall.

Solo-Gitarrenkunst zeigt Francisco Gonzalez bei einem Argentino-Tango von Carlos Gardel; mit angenehmem Bariton erzählt er dazu eine dramatische Geschichte, die man nicht verstehen muss, um sie musikalisch zu genießen.

Von Gonzalez stammt auch die reizvoll taktwechselnde Komposition «Danza de los Amantes Efimeros», die er im Duo mit dem Geiger vorstellt. Noch mehr fasziniert die Komposition von Nelson Gomez: Mehrfach kontrapunktierend laufen die Melodielinien von Geige, Flöte und Gitarre in- und gegeneinander, bassbegleitet vom Pizzicato der Gitarrone.

Besonders bei solch dichtem Stimmengeflecht überzeugt die differenziert-sachte Mikrofon-Verstärkung, begünstigt durch die stilvolle Holz-Glas-Architektur der Fiskina. Übrigens haben auch bei ihrem Bau schon Schraubzwingen - in etwas gröberem Format - nützliche Dienste geleistet.

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