Füssen/Kundus | hs
Vier Minuten später schlägt Rakete ein

Sie haben den gefährlichsten Auftrag aller deutschen Soldaten, die derzeit in Afghanistan eingesetzt sind: Die Soldaten des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 aus Füssen, die in Kundus im Norden des Landes stationiert sind. Erst vor Kurzem gab es einen Raketenangriff - bei dem aber niemand verletzt wurde. Doch es war knapp: «Vier Minuten vorher standen wir noch auf dem ersten Einschlagspunkt, um dort unsere Arbeit zu verrichten», sagt ein 29-jähriger Hauptfeldwebel, der aus Sicherheitsgründen seinen Namen nicht nennen darf. Mit Kameraden stellte er sich gestern im Online-Chat den Fragen unserer Zeitung.

Rund 220 Soldaten des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 befinden sich derzeit in Afghanistan - verteilt auf drei Standorte: Mazar-e-Sharif, Kundus und Feyzabad. Im rund 250 Kilometer nördlich von der Hauptstadt Kabul liegenden Kundus sind die Füssener das «Auge» der dort stationierten Truppen - sowohl aus der Luft wie am Boden. Mit ihren hochmodernen Systemen klären die Soldaten bei Tag und vor allem bei Nacht mögliche Bedrohungen für das Feldlager und die außerhalb des Lagers eingesetzten Patrouillen auf.

In Kundus ist die Sicherheitslage besonders angespannt. Hier kommt es immer wieder zu Anschlägen - auch wenn ein 21-jähriger Hauptgefreiter meint: «Die Bedrohungslage kommt mir nicht so groß vor.

» Die einheimische Bevölkerung sei «uns gegenüber meist freundlich». Angst habe er nicht, da man gut ausgebildet und professionell an die Aufgabe herangehe. Doch räumt er ein: «Natürlich hat jeder von uns einen gewissen Respekt vor der Gefahr durch Terroristen.» Bislang sei jedoch kein Soldat aus Füssen verletzt worden.

Bis zum Frühjahr werden die Füssener Soldaten noch in Afghanistan sein. Eine lange Zeit, in der sie von ihren Angehörigen getrennt sind. «Klar vermisse ich meine Frau und die Kinder», sagt der 29-jährige Hauptfeldwebel. Doch: «Ich habe das große Glück, das ich eine starke Frau zu Hause habe, die die Familie managt.» Wie seine Kameraden versucht auch er, möglichst oft Kontakt mit seiner Familie zu haben. Wobei er weniger aufs Internet setzt, sondern zu Stift und Papier greift: Er schreibt jeden dritten Tag einen Brief nach Hause.

Trotz solcher Probleme steht für die Soldaten fest: «Dieser Einsatz ist sehr sinnvoll», sagt ein 32-jähriger Oberleutnant. «Wenn wir nicht in diesem Land unseren Dienst zur Stabilität verrichten würden, wären Unruhen an der Tagesordnung.»

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