Kaufbeuren
Vielfalt auf kleinstem Raum

Für Sportkletterer spielen sich die existenziellen Dinge oft an nur wenigen Quadratmetern Wand ab. Die Welt drum herum verliert völlig an Bedeutung. Stefan Fürst ist Kletterer, war neunfacher österreichischer Staatsmeister. Noch heute durchsteigt der 40-Jährige Routen im äußerst schwierigen 9. Grad. Doch sein Leben hängt nicht mehr nur an der Qualität des nächsten Griffs.

Fürst faltet den Bauplan zusammen und schaut zu den vielen Helfern auf der Baustelle im Kaufbeurer Wertachpark, wo an der ehemaligen Biostabanlage die Kletteranlage der Alpenvereinssektion Kaufbeuren-Gablonz entsteht. «Das Engagement ist einzigartig», sagt er. «Das habe ich sonst noch nirgendwo so erlebt.» Und Fürst kommt rum. Tausende Kilometer ist er im Monat unterwegs. Das Tiroler Unternehmen «ArtRock», für das er arbeitet, konzipiert europaweit Kletterwände. «Was in Kaufbeuren entsteht, ist in Deutschland und Österreich einzigartig», sagt Fürst.

Vorhaben aus vielen Gesprächen heraus entwickelt

Doch nicht nur den Kletterturm hält er für außergewöhnlich, sondern auch die Planungsgeschichte, die er nun seit mehr als zwei Jahren begleitet. Erst ging es um eine kleinere Wand für die einst eigenständige Sektion Gablonz. Dann kam die Fusion mit der Kaufbeurer Sektion und die Pläne nahmen immer größere Ausmaße an. Aus vielen Gesprächen entwickelte sich das heutige Vorhaben, das auch eine wettkampffähige Wand für Speed- , also Schnellklettern und überdachte Klettermöglichkeiten in der alten Biostabanlage mit einschließt. Und nun packen alle mit an. «Das freut einen richtig», sagt Fürst.

Derzeit entsteht östlich der früheren Biostabanlage, die zurzeit für die neue Sektionsgeschäftsstelle, Schulungs- und Trainingsräume umgebaut wird, das Fundament für die Kletteranlage. Nur wenige Unternehmen können solche Bauwerke planen. «Wir vereinen das technische Wissen mit der Kletter-Erfahrung», sagt Fürst, ein gelernter Schreiner. Holz ist auch der Rohstoff für das Gerüst, das die notwendigen Wandneigungen möglich macht. «Das ideale Material», meint Fürst. Klettern sei ja schließlich auch ein Natursport. Sobald dieser Tage das Betonfundament fertig und fachlich abgenommen ist, kann mit dem Bau des Holzgerippes begonnen werden. Verkleidet wird der Rohbau mit beschichteten Holzplatten, die später von speziell geschulten «Routensetzern» mit Griffen bestückt werden. Die Alpenvereinssektion Kaufbeuren-Gablonz kann zwar auf die langjährige Klettererfahrung Fürsts bauen, ganz frei in ihren Entscheidungen ist sie aber nicht.

Denn die Kletterwand muss - nicht zuletzt, weil auch der Hauptverein in München Zuschüsse gibt - wettkampftauglich sein und bestimmte Kriterien erfüllen. Die Höhe und der maximale Wandüberhang gehören unter anderem dazu; ebenso die Voraussetzungen sowohl für den Spitzen- als auch für den Breitensport.

Fürst kennt die Crux schon von anderen Projekten: «Eben möglichst viele Klettermöglichkeiten auf wenig Grundfläche.» Denn das Ziel ist klar: Der Sportkletterer soll sich später auf seinen wenigen Quadratmetern Wand richtig fühlen. Auf dass die Welt um ihn herum völlig an Bedeutung verliert.

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