Buchloe / Ostallgäu
Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt

Dennis Köck (18) hatte Glück. Er hat eine passende Lehrstelle gefunden und lernt seit September 2009 Industriekaufmann bei der Alexander Moksel AG in Buchloe. «Ich habe anfangs versucht, selbst einen Ausbildungsplatz zu finden und zahlreiche Bewerbungen geschrieben, überall jedoch nur Absagen erhalten», erzählt der Türkheimer. Zu groß war die Konkurrenz. Über die Vermittlung des Arbeitsamtes klappte es dann aber doch noch mit der kaufmännischen Lehrstelle. Das Paradoxe: Während in manchen Berufen die Zahl der angebotenen Stellen deutlich geringer ist, als die der Bewerber, tun sich andere Unternehmen oder Betriebe oft schwer, genügend Nachwuchskräfte zu finden. Allein im Bereich der Arbeitsagentur Kempten (mit Kaufbeuren, Lindau, Ober- und Ostallgäu) blieben laut Industrie- und Handelskammer (IHK) für das laufende Lehrjahr 2009/2010 insgesamt rund 200 Lehrstellen unbesetzt.

Hauptsächlich im Lebensmittelbereich, etwa bei Bäckern oder Metzgern, aber auch in der Tourismusbranche, gab es Probleme, Lehrstellen zu besetzen. «Während wir im Verwaltungsbereich meist deutlich mehr Bewerber wie Stellen haben, tun wir uns in der Produktion - insbesondere in der Ausbildung zum Metzger - enorm schwer», berichtet Roger Legath, Personalleiter bei Moksel. Die Aktiengesellschaft, die Teil der international agierenden Vion Food Gruppe ist, beschäftigt in Buchloe derzeit acht Auszubildende - vom Industriekaufmann über den Mechatroniker und Abwassertechniker bis hin zum Metzger. Das bittere: Gerade im letztgenannten Beruf würde das Unternehmen gerne mehr junge Menschen ausbilden - «es fehlen jedoch schlichtweg die Bewerber», erzählt Legath.

Für Klaus Fischer, Regionalgeschäftsführer der IHK Schwaben, ist das Problem ein bekanntes. Der Grund dafür liege vor allem im Image dieser Berufe, die oft mit unregelmäßigen Zeiten und schlechter Bezahlung gleichgesetzt würden, ist er überzeugt. «Viele jungen Menschen sitzen heute lieber im Büro, anstatt sich körperlich anzustrengen», weiß auch Legath. Hinzu kommt, dass generell immer weniger Jugendliche auf den Ausbildungsmarkt drängen. So sank die Zahl der Bewerber für das Lehrjahr 2009/2010 gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent. Verantwortlich hierfür ist laut IHK Schwaben einerseits der demografische Wandel. Andererseits streben immer mehr junge Leute höhere Bildung an und besuchen weiterbildende Schulen.

Viele interessante Perspektiven

Für Legath ist dieses Denken jedoch nicht vollständig nachvollziehbar: «Die meisten Jugendlichen wissen gar nicht, welche Karrieremöglichkeiten beispielsweise eine Ausbildung zum Metzger bereithält.» Gerade im Industriebereich böten Anstellungen nach entsprechender Weiterbildung zum Lebensmittel- oder Fleischtechniker interessante Perspektiven.

Dass eine gute Ausbildung nach wie vor wichtig ist, betont Jürgen Reitebuch. Selbst seit 30 Jahren Ausbilder, beklagt der Kreishandwerksmeister: «Über die Zeit hat die Qualität der Lehrlinge kontinuierlich nachgelassen.» Neben schulischen Mängeln seien bei vielen Bewerbern Defizite im sozialen Bereich wie etwa beim Benehmen, bei der Zusammenarbeit oder Höflichkeit festzustellen, so IHK-Regionalgeschäftsführer Fischer.

Dabei dürfe aber nicht vergessen werden, dass zugleich auch die Anforderungen an die Bewerber steigen: «Die Arbeitswelt wird immer komplexer. Das geht natürlich auch an den Auszubildenden nicht vorbei», weiß Legath. Im bundesweiten Vergleich gestalte sich die Situation auf dem Allgäuer Ausbildungsmarkt relativ entspannt, betont Anette Göllner von der Handwerkskammer Schwaben.

Durch den in der Region außergewöhnlich engen Kontakt zwischen Betrieb und Schule könnten Schüler über frühzeitige Praktika erste Erfahrungen sammeln. Dennoch müssten künftig sowohl Unternehmen als auch Jugendliche mehr Engagement zeigen. «Wer einen guten Auszubildenden will, muss mehr investieren», fordert Fischer. Und Handwerksmeister Reitebuch betont: «Die jungen Leute müssen sich bewusst machen, wie wichtig eine gute Ausbildung für ihren späteren Berufseinstieg ist.»

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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