Viele Ideen, aber auch Kritik

Von Veronika Krull | Immenstadt Was lange währt, wird endlich gut. Davon sind zumindest die Mitglieder des Arbeitskreises 'Lebendiges Literaturhaus' überzeugt. Bei ihrem dritten Treffen, mit Immenstadts Kulturreferent Harald Dreher an der Spitze, haben sie jedenfalls jede Menge Ideen entwickelt, wie das Haus in der alten Reitschule nach jahrelangen Bauarbeiten nun für Veranstaltungen genutzt werden kann.

Auch Immenstadts Hauptamtsleiter Hans Fischer freut sich auf die 'sehr schöne und ansprechende öffentliche Einrichtung', die am 6. Juni in Betrieb genommen wird. Kritik äußert dagegen der Geschäftsführer der Kulturgemeinschaft Oberallgäu, Gunther le Maire. Er meint, dass man erst ein Konzept haben und dann bauen solle, und spricht von einer 'Stadtbücherei mit Nebenraum'.

In der Tat soll das aufwändig sanierte historische Gemäuer im Bräuhausviertel die städtische Bibliothek aufnehmen, die bisher im Schloss untergebracht war. Im Untergeschoss stehen jedoch zwei Gewölbe und ein Foyer für Lesungen und Ausstellungen zur Verfügung.

Kleine, feine Ausstellungen?

Kulturexperte le Maire träumt von 'kleinen, aber feinen' Expositionen auch von renommierten Künstlern. Allerdings sei er enttäuscht von den Räumlichkeiten. So sei ein Gewölbe wegen Feuchtigkeit in den nächsten ein bis zwei Jahren für die Ausstellungen von Papierarbeiten nicht geeignet. Darüber hinaus fehle es an einer professionellen Beleuchtung. Außerdem seien die Räume für 'wirklich gute' Lesungen zu klein. Le Maire: 'Man kann nicht mit der lokalen Literaturszene das Literaturhaus bestreiten.'

Kulturreferent Dreher räumt ein, dass die Stadt aus Kostengründen auf den Einbau von Galerieschienen verzichtet habe. Aber man könne sich gut mit Halogen-Strahlern behelfen. Auch Hauptamtsleiter Fischer sieht die Lichtfrage nicht dramatisch: Man könne ja das Eine oder Andere auch noch nachrüsten. 'Es schadet nicht, wenn man Erfahrungen sammelt, bevor man wer weiß was investiert.' Auch die Nutzungseinschränkung durch feuchte Wände nach einem Wassereinbruch ist für ihn 'noch kein Beinbruch'. Das Sitzplatzvolumen im Foyer kann man nach Meinung des Kulturreferenten auf 80 Plätze steigern.

Mit dem Programm im Literaturhaus wolle man, so Dreher, auch eher eine breitere Klientel ansprechen und nicht ausschließlich die 'gediegene Mittelschicht'. Er möchte vor allem Kinder und Jugendliche als die Leserschaft von morgen einbeziehen. Christa Smit vom Arbeitskreis 'Lebendiges Literaturhaus' schlägt denn auch eine Schreibwerkstatt für Kinder vor, in der die kleinen Besucher sogar ein eigenes Buch anfertigen könnten. Sie kann sich auch Lesenächte für Kinder vorstellen, in denen bei Kerzenlicht Gespenstergeschichten vorgetragen werden.

Gerhard Dick, Buchautor und Gymnasiallehrer, findet die Idee reizvoll, herausragende Facharbeiten von Schülern öffentlich zu präsentieren, bevor sie 'im Archiv verschwinden'. Vielleicht, so der Arbeitskreis, könnten die jungen Menschen ähnlich wie für sportliche oder musikalische Leistungen auch für literarische Werke eine Auszeichnung erhalten. Cordula Schneele, Literaturfreundin aus Sonthofen, könnte sich die Einrichtung einer Seniorenakademie vorstellen.

Verena Elhardt, ehemalige Leiterin der Stadtbücherei, favorisiert einen Vorlesewettbewerb. Verleger Thomas Niehörster, Bad Hindelang, plädiert für einen Mundart-Wettbewerb für Jugendliche und die Veranstaltung von Mini-Buchmessen. Autorenlesungen, so der Arbeitskreis, könnten sich abwechseln mit Vorträgen von Verlegern, Lektoren oder Kritikern, woraufhin Verleger Peter Elgass ermunternd auf rund 120 Kleinverlage im Allgäu verwies.

Am 2. Juni sollen bei einem weiteren Treffen die Vorschläge genauer geprüft werden.

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