Theater
Viel Vergnügen, wenig Tiefgang bei Spiel’s nochmal, Sam in Wangen

  • Foto: Christoph Morlok/Festspiele Wangen
  • hochgeladen von Ingrid Grohe

Die Festspiele Wangen haben sich für leichte Unterhaltung entschieden. Ihr Stück 'Spiel’s nochmal, Sam' von Woody Allen überzeugt mit Slapstick und Klamauk, der Inszenierung fehlen jedoch die Zwischentöne <%IMG id='1135439' title='"Spiel´s nochmal, Sam" von Woody Allen bei den Festspielen Wangen'%>

Die ganz eigene Weltsicht von Woody Allen ist immer für einen vergnüglichen Abend gut. Mit seinem Stück "Spiel’s nochmal, Sam" wollen die Festspiele Wangen ihre Theatergäste im malerischen Zunftwinkel an der Stadtmauer den August über unterhalten. Dass der Stoff zündet, war dem begeisterten Applaus des Publikums am Premierenwochenende ebenso zu entnehmen wie den Kommentaren vieler Besucher. Wer jedoch die Inszenierung an dem Niveau misst, auf dem die Festspiele vor drei Jahren gestartet sind, kann nicht recht zufrieden sein. War in den ersten beiden Jahren hohe Theaterkunst geboten, so ist es jetzt noch solide Unterhaltung.

Der Wandel der Festspiele Wangen ist letztlich eine Entscheidungssache. Als Abendstück wurde diesmal eine viel gespielte Komödie ausgewählt, die Amüsement garantiert, aber kein Risiko birgt. Das war am Anfang anders: Heinrich von Kleists "Amphitryon" im Jahr 2011 mag manchem als zu starker Tobak erschienen sein, um ein Sommerfestival aus der Taufe zu heben. Doch es hat funktioniert. Die klassische Tragikomödie löste Staunen und Begeisterung aus - trotz seiner eigentümlichen Sprache. Auch Peter Turrinis "Der tollste Tag", forderte 2012 das Publikum mit scharfer Sozialkritik und derben Szenen heraus - und bescherte neben vielen ausgelassenen Momenten auch nachdenkliche und beklemmende.

Auf solches wird heuer bewusst verzichtet. Woody Allens Lieblingsthema - die Spannung zwischen den Geschlechtern - und seine Lieblingsfigur - der verklemmte Stadtneurotiker - sind beste Voraussetzungen für ungestüme Heiterkeit. Die zentrale Figur im 1969 geschriebenen Stück "Spiel’s nochmal, Sam" ist der Filmkritiker Allan Felix. Er hängt dem Männerideal aus seinem Lieblingsstreifen "Casablanca" nach, möchte so cool sein wie sein großes Vorbild Humphrey Bogart. In einer existenziellen Lebenskrise - seine Frau Nancy verlässt ihn - benimmt er sich freilich alles andere als souverän. "Ich nehme es nicht persönlich - ich nehme mir nur das Leben", ruft er seiner soeben Verflossenen nach.

Denis M. Rudisch packt alles aus, was diese Hauptrolle braucht: linkische Bewegungen, nervöse Marotten, verzweifelte Jammertiraden. Sein kläglicher Anti-Held Allan ist herzerweichend, wie er auf dem Sofa sitzt, ein Kissen umklammert und sich ständig verhaspelt beim Versuch, seinen Freunden Linda und Dick das Drama begreifbar zu machen. Die beiden sind nicht weniger neurotisch als Allan - was ein köstlich schräges Trio ergibt.

Deren Ticks über eine etwa 100-minütige Handlung hinweg überzeugend auszuleben ist anstrengend und erfordert Fantasie. Julian Manuel als Dick sticht unter den Darstellern heraus. Er überzeichnet diesen selbstverliebten Wichtigtuer und gibt ihm gleichzeitig Kontur. Was Julia Lowack als Linda weniger gut gelingt. Ihre Mimik, ihr Tonfall und ihre Bewegungen sind zwar witzig, ziehen sich aber gleichförmig durchs Stück und wirken irgendwann hölzern. Mehr Farbe und mehr Nuancen täten hier gut.

Dasselbe gilt für die Inszenierung als Ganzes. Bei allen guten Einfällen lässt Regisseurin Mareike Zimmermann die Zwischentöne, das Subtile vermissen. Slapstick und Klamauk funktionieren zwar, viel Spannung oder Stimmung kann das Stück aber nicht entwickeln. Ein tiefer Ausschnitt und ein paar eindeutige Gesten machen noch keine prickelnde Erotik aus. Dass die Haarpracht einiger Protagonistinnen eindeutig aus der Faschingskiste stammt, kann man als originell ansehen - es erinnert den Zuseher jedoch allzu oft daran, dass er im Theater sitzt.

Neben der Stückewahl macht also auch die Regie einen Unterschied zwischen den Festspielen Wangen 2011 und 2014. Anatol Preissler inszenierte bisher die Stücke im Zunftwinkel, heuer hat der Wangener Festspielverein womöglich etwas zu lange gezögert - und Preissler zumindest teilweise an Altusried verloren. Dort führt er derzeit Regie beim viel beklatschten Singspiel "Im weißen Rössl".

In Wangen ist Anatol Preissler noch als künstlerischer Leiter präsent und als Regisseur beim Kinderstück "Dschungelbuch", das am Donnerstag um 15.30 Uhr im Zunftwinkel Premiere feiert.

Weitere Aufführungen an allen Wochenenden bis 31. August.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen