Viel nachgedacht über Frau und Mann

Marktoberdorf/Ostallgäu (sg). Malen macht Spaß. Vor allem, wenn mit anderen gemeinsam ein Bild gestaltet wird. Eine Erfahrung, die der 17-jährige André zuvor noch nie gemacht hatte. Diese Woche aber nahm er an dem Projekt 'Switch-Art' an der Berufsschule Ostallgäu teil. Drei Tage lang drehte sich alles um das Verhältnis zwischen Mann und Frau. Die Schülerinnen und Schüler sollten ihre Gedanken dazu aber nicht nur bildnerisch darstellen. Auch in Rollenspielen und Sketchen wurde sichtbar, wie die jungen Frauen Männer sehen, wie sie sich selbst sehen und umgekehrt.

Angeleitet wurden die 15- bis 18-Jährigen von der Gestaltungspädagogin Susann Tabatabai und Berufsschullehrerin Christel Westman. Sie erklärt die Ziele dieses Projekts so: Es soll Verständnis, Toleranz und Respekt zwischen den Geschlechtern fördern, aber auch das Gemeinschafts- und das Selbstwertgefühl stärken.

Der Raum 130 an der Berufsschule verwandelte sich gestern zu einer großen Künstlerwerkstatt. Im Hintergrund läuft Musik, Mit Acrylfarben malen die Teams ihre Paare in konzentrierter Stille auf große weiß grundierte Holzplatten. Es sind verliebte Paare, streitende Paare, untreue Paare oder auch homosexuelle. Sind die Bilder erst einmal fertig, werden sie in der Schulaula ausgestellt.

Diese Malaktion stand am Ende des dreitägigen Projektes, das von Christel Westman und Susann Tabatabai als kreatives Kommunikationstraining zwischen jungen Frauen und Männern entwickelt wurde. Am Anfang stand ein Besuch in der Pinakothek der Moderne in München. Bei der Führung durch die Galerie waren gezielt Gemälde ausgesucht und erläutert worden, bei denen sich die Künstler dem Thema 'Mann und Frau' gewidmet hatten. In der Schule zurück stellten die Pädagoginnen den Schülern Bilder des amerikanischen Künstlers Keith Haring vor, der für seine plakative Malweise bekannt ist. Davon inspiriert malten auch die jungen Frauen und Männer dann ihre Werke.

Dem Thema näherten sich die Berufsschüler, die in einer Klasse von Jugendlichen angehören, die noch keinen Ausbildungsplatz haben, auch mit Rollenspielen. Mit lustigen Sketchen stellten sie darüber hinaus Szenen dar, die typische Verhaltensmuster aufzeigen sollten: Er mit Bier und Chips in der Hand auf dem Sofa liegend, sie bei der Hausarbeit. Dass dies nicht typisch sein muss, wurde dabei deutlich herausgestellt. Um die Reflexion über bekannte Verhaltensmuster ging es auch bei der Überlegung, wie die jungen Männer Frauen sehen und umgekehrt. Auch der Blick aufs eigene Geschlecht wurde nicht ausgespart.

Bewusst Gedanken gemacht

So bewusst habe sie sich vor dem Projekt über die Geschlechterrollen noch nie Gedanken gemacht, sagen die beiden Schülerinnen Steffi und Stefanie übereinstimmend. Stefanie traut sich jetzt sogar zu, sich viel besser in die Rolle der Männer hineinversetzen zu können. Als schwierig empfindet Simon das Thema. Gelernt habe er, 'dass Frauen mehr Gefühle zeigen können'. Am meisten Spaß habe ihm aber das gemeinsame Malen gemacht. 'Malen ist ein gutes Medium, ohne Worte etwas auszudrücken zu können', sagt Christel Westman. Es ist bereits ihr viertes Projekt an der Berufsschule, zu dessen Finanzierung wieder der Förderverein der Schule und der Rotary-Club Marktoberdorf beitrugen. 'Berufsfindung' war das erste Thema vor vier Jahren, 'Fantasie gegen Gewalt' hieß es ein Jahr später und im vergangenen Jahr 'Kultur-Switch'. Dabei ging es um das friedliche Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen. Ein großes Spannungspotenzial, so weiß Westman, bestehe an Schulen aber auch oft wegen eines unterschiedlichen Rollenverständnisses von Mann und Frau. Unverständnis, Vorurteile, Respektlosigkeit oder auch Aggression könnten die Folge sein. Ein Perspektivenwechsel, wie er beim aktuellen Projekt 'Switch-Art' stattfinde, könne sicherlich zu neuen Einsichten verhelfen. Das Projekt dokumentiert die Lehrerin in Schrift und Bild. Denn wie sein Vorgänger kann es auch an anderen Schulen Schule machen.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by Gogol Publishing 2002-2020