Mewo-Kunsthalle
«Viel mehr geht nicht»

Professor Joseph Kiermeier-Debre fragt sich manchmal, wie er das alles geschafft hat: wie er die Exponate für zwölf große, teils überregional beachtete Ausstellungen zusammengetragen und inszeniert hat, wie er dafür die Memminger Mewo-Kunsthalle seit der Eröffnung Ende 2005 jedes Mal komplett umgebaut hat, wie er seither 50 exquisite Abendveranstaltungen konzipiert und sechs Kunstbücher herausgegeben hat. Denn der Leiter und Kurator dieser Kultureinrichtung konnte dafür nicht etwa auf einen Stab an wissenschaftlichen Mitarbeitern zurückgreifen, er betreibt das Haus mit sechs 400-Euro-Kräften, einem Hausmeister und wechselnden Ein-Euro-Jobbern - die allerdings alle mit Herzblut bei der Sache sind. Und auch sein Jahresetat ist mit 50000 Euro nicht gerade üppig (siehe auch Infokasten).

«Wir haben null Infrastruktur, ich bin das Mädchen für alles», blickt er heute auf die vergangenen fünf Jahre, in denen er - statt den vertraglich vereinbarten 39 Stunden pro Woche - «mindestens 60» gearbeitet hat. Nicht nur vor Ort, viele davon verbrachte er etwa in Bibliotheken und Archiven oder auf Kunstbörsen, um zu forschen und zu sammeln. Oder er schöpfte zu Hause in Unterthingau aus seiner Privatbibliothek mit 10000 Büchern.

«Haben unglaublichen Sprung geschafft»

Aber das war es ihm wert: «Wir haben mit diesem Haus einen unglaublichen Sprung geschafft», freut sich Kiermeier-Debre und schiebt nicht ohne Stolz «das macht mir so leicht keiner nach» hinterher. Zwischen Ulm, Augsburg und Lindau sei Memmingen heute, was die Spezifik der Ausstellungspräsentation anbelangt, ganz vorn dabei.

«Selbst in Aspekte wurden wir beachtet», betont er. «Viel mehr geht nicht.» Außerdem habe er Josef Madlener aus dem «Lokalmief» herausgeholt. Sein Buch über den Memminger Maler sei sogar auf einer ganzen Seite in der FAZ besprochen worden. Besonders freue ihn, dass vor allem Auswärtige, die etwa 50 Prozent der Besucher ausmachen, jedes Mal erstaunt seien, über ein Haus dieser Güte und Größe.

Sehen lassen kann sich inzwischen auch die Sammlung im (schon übervollen) Depot der Kunsthalle. Das trage nicht nur zur Identität des Hauses bei, sagt Kiermeier-Debre, dadurch werde man von anderen Museen auch ganz anders wahrgenommen: «Man kann für Ausstellungen ein bisschen tauschen und kommt nicht nur als Bittsteller daher.»

Dennoch sieht die Kunsthalle in seinen Augen nach außen opulenter aus, als sie es nach innen ist. «Wir müssen jeden Tag zittern, wie wir den Betrieb auf die Reihe bekommen», sagt Kiermeier-Debre. Deshalb würde er sich für die Zukunft ein «finanzielles Unterfutter» wünschen, das gewährleistet, «dass man ausstellungsmäßig nicht dauernd am Hungertuch nagt». Im Moment nährt die Schauen nämlich noch Geld aus dem Madlener-Nachlass. «Nur mit dem Jahresbudget hätten wir Ausstellungen in dieser Qualität sicher nicht geschafft», betont er. «Aber dieser Sondertopf hat einen Boden und der ist bald erreicht.»

Und noch einen Wunsch würde er sich gern erfüllen, ehe er im nächsten Jahr in Ruhestand geht: Seit 2005 ärgert er sich über das Gebaren des «Barium»-Wirtes im Haus, mit dem er den Lichthof gemeinsam nutzen muss (jetzt steht das Lokal seit Monaten leer). Reizen würde Kiermeier-Debre, über diesen Raum mit verfügen zu können. Um die Ausstellungsfläche bei Bedarf zu erweitern - oder als zweite, kleinere Spielebene mit Lesungen oder Jazz für 40, 50 Leute.

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