Bilanz
Viel los auf den Pisten: Winterbilanz eines Allgäuer Liftbetreibers

Nicht sensationell, aber ganz gut. So schätzt Rupert Schön (53) von den Schwärzenliften Eschach den Winter 2014/2015 ein. Seit Anfang der 70er Jahre betreibt seine Familie die Liftanlagen. Seit 1980 ist er selbst mit im Geschäft.

Viele kleine Liftanlagen, beispielsweise , stehen vor großen Problemen. Hat ein Winter wenig Schnee, kämpfen sie ums Überleben. Der Standort Eschach dagegen funktioniert stabil.

Die Gegend gilt als "Schneeloch". Der Talbereich liegt auf 1.020 Metern Höhe, in etwa vergleichbar mit dem viel näher an den Alpen gelegenen Balderschwang. Wenn wenige Kilometer weiter längst alles grün ist, liegt dort in Eschach noch Schnee. Oder es ist zumindest kalt genug, um künstlich zu beschneien. "Günstige Lage plus Engagement bringt gut Schnee", sagt er. Liftbetrieb ist an den Schwärzenliften grundsätzlich bis einschließlich Ostern. Auch heuer.

Allerdings war der Winter für Rupert Schön "a bissl a Phänomen. Er ging uns allen viel zu spät los. Angefangen hat die Saison erst am 27. Dezember." Das waren die Tage zwischen den Jahren, in denen man im Flachland mit dem Schnee gekämpft hat. Den Liftbetreiber hat es natürlich gefreut. Anfang Januar hat der Winter noch etwas geschwächelt, Mitte Januar kam dann noch mal ganz viel Schnee bis 1,20 Meter Höhe. Bis Mitte Februar kam immer wieder was runter. Gemischt mit etwas Maschinenschnee, ergab das sehr brauchbare Pisten. Auch das Wetter hat gut mitgespielt mit vielen Sonnenstunden: "Wir hatten oft bis zu 3.000 Besucher am Tag."

Die globale Erwärmung ist natürlich auch in Eschach ein Thema. Allerdings hat Rupert Schön schon immer Schwankungen beobachtet. Ende der 80er Jahre sei die Situation schwieriger gewesen als jetzt, die Winter haben mehr Kapriolen geschlagen. Stürme wie "Orkan Wiebke" im Jahr 1990 gab es in den 80ern öfters. Diese sorgten damals für wärmeres und unberechenbares Wetter. In den letzten Jahren habe es eher wieder mehr Schnee gegeben als vor 30 Jahren, meint der Liftbetreiber.

Im Anspruchsdenken der Gäste hat sich einiges geändert im Vergleich zu früher. "Nur" Lifte reichen nicht mehr: Die Gäste erwarten eine sehr gute Gastronomie, gepflegte sanitäre Anlagen, die Schneelage muss konsequent durch den ganzen Winter stabil sein mit bester Pistenpflege. Aber dafür "müssen sie natürlich manchmal etwas tiefer in die Tasche greifen", so der Liftbetreiber.

Insgesamt arbeiten an den Schwärzenliften im Winter 20 Menschen, inklusive Teilzeitkräften, Aushilfen und Festangestellten. Teilweise ist die Mannschaft auch im Sommer beschäftigt. Rupert Schön hat vor einigen Jahren auf Ganzjahresbetrieb umgestellt. Natürlich laufen im Sommer die Schlepplifte nicht. Aber die Gastronomie ist geöffnet. Dazu gibt es Mountainbike-Kurse, ausgebaute Wanderwege, einen Planetenweg.

Und das lohnt sich. Nicht alle Urlauber im Allgäu zieht es in die Berge. Besonders Familien mit Kindern genießen die Natur rund um Eschach, die sanfte Hügellandschaft und die nahen Ausflugsziele. Eine Marktlücke, wie es scheint. Allerdings auch ein ständiger Kraftakt des Betreibers, der immer wieder viel Geld investiert. Anders geht es nicht, sagt Rupert Schön. Daher sehe er aber auch "was uns betrifft zukunftstechnisch keine Probleme".

1,5 Millionen Euro wird er kommenden Sommer wieder investieren, um sein Skigebiet für den Winter auf den modernsten Stand zu bringen. Dazu hat er vor allem im Winter jeden Tag geöffnet, auch wenn an manchen Tagen nur ganz wenige Leute zum Skifahren oder Snowboarden kommen. Es laufen dann zwar nur ein bis zwei der vier Schlepplifte, aber sie laufen. Das sei wichtig, sagt er, "wegen der Verlässlichkeit". Sind die Wintersportler unsicher, ob der Lift überhaupt läuft, kommen sie irgendwann überhaupt nicht mehr.

Die Schwärzenlifte sind gerade für die Kemptener eine Möglichkeit, um schnell mal auf die Piste zu kommen. Die Kinder ins Auto gepackt, 20 Minuten später steht man am Lift anstatt im Stau Richtung Oberstdorf. Etwa die Hälfte der Besucher sind Einheimische aus der näheren Umgebung.

Nach monatelanger 7-Tage-Woche, bis zu 130 Betriebstagen, die allesamt um 5 Uhr morgens mit Pistenpräparieren beginnen und spät am Abend mit Aufräumen und Schneekanonen einstellen zuende gehen, blickt Ruper Schön jetzt auf einen erfolgreichen Winter zurück. Jetzt freut er sich auf den Sommer. Da geht es wesentlich ruhiger zu, Zeit für die Familie, für die eigenen Belange.

Autor:

Holger Mock aus Kempten

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