Gericht
«Viel Glück gehabt»

Es war eine hochgefährliche Situation, die nach Einschätzung aller Zeugen auch anders hätte ausgehen können: Ein Bundeswehrsoldat hatte im Oktober 2009 auf der B 12 bei Marktoberdorf einem Münchner Taxi ausweichen müssen, das auf der Gegenspur plötzlich hinter einem Laster ausgeschert war und auf seine Fahrbahnseite herüberkam. Der junge Mann geriet mit seinem Auto auf die Bankette, prallte gegen die Leitplanke und schleuderte von dort aus auf die Gegenspur, wo er mit dem Heck seines Autos den Wagen eines Traunsteiner Ehepaars touchierte. Alle Beteiligten kamen mit minimalen Blessuren davon. «Wenn ich den Wagen frontal getroffen hätte, wäre es aus gewesen,» sagte der junge Mann jetzt im Strafverfahren gegen den Taxifahrer vor dem Kaufbeurer Amtsgericht. Auch der Richter war der Überzeugung, dass im vorliegenden Fall «alle sehr viel Glück gehabt haben».

Eine Zeugin hatte gesehen, wie das Taxi plötzlich herauszog. Im gleichen Moment habe sie das entgegenkommende Auto bemerkt, dessen Fahrer «ja gar keine Chance hatte». Das Taxi war seinerzeit wieder hinter dem Lastwagen eingeschert und hatte seine Fahrt fortgesetzt. Ein Zeuge aus dem Oberallgäu hatte sich die Autonummer notiert und diese der Polizei übergeben. Bei den Ermittlungen stellte sich heraus, dass das Fahrzeug einem Münchner Taxi-Unternehmen gehörte. Dessen Chef erklärte gegenüber der Polizei, das Taxi werde ausschließlich vom Angeklagten genutzt. Der Sachschaden in Höhe von insgesamt rund 10 000 Euro wurde von der Versicherung des Unternehmens reguliert.

Der Taxifahrer erhielt zunächst einen Strafbefehl über eine Geldstrafe von 2700 Euro und eine 15-monatige Führerscheinsperre wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung, Körperverletzung und Unfallflucht. Im Einspruchsverfahren vor dem Amtsgericht machte er jetzt zum Vorfall keine Angaben. Die Strategie seines Verteidigers zielte offenbar darauf, dass möglicherweise auch jemand anders mit dem Taxi gefahren sein könnte und der Unfall vielleicht unbemerkt geblieben sei.

Der Richter ließ daraufhin durchblicken, dass es für ihn «keine vernünftigen Zweifel» daran gebe, dass damals der Angeklagte hinterm Steuer saß.

Allerdings erhebe sich die Frage, ob das Fahrmanöver des bis dato völlig unbescholtenen Mannes schon grob rücksichtlos und damit eine Straßenverkehrsgefährdung war, «oder nur ein saudummes Augenblicksversagen». Der Vorsitzende schlug deshalb eine Verfahrenseinstellung gegen 500 Euro Geldbuße vor. Dies fand die Zustimmung aller Verfahrensbeteiligten. (bbm)

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