Gericht
Versuchter Totschlag: Mindelheimer (19) erstach fast seinen Saufkumpan

Ein 19-jähriger Mindelheimer war im August mit einem Messer auf einen Saufkumpan losgegangen. Wegen dieser Tat musste er sich nun unter anderem wegen versuchten Totschlags vor der Großen Jugendkammer um Richterin Brigitte Grenzstein am Memminger Landgericht verantworten.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Einheitsjugendstrafe von drei Jahren und sechs Monaten mit Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Die Polizei hätte von dem Vorfall wohl nichts mitbekommen, hätte sich der junge Mann nach seiner Tat nicht gleich gestellt.

Eigenen Angaben zufolge war er seit Nachmittag mit einem Bekannten - seinem späteren Opfer - in Mindelheim unterwegs gewesen. Gemeinsam hätten sie sich, wie schon öfter, im Supermarkt und an der Tankstelle Bier und Wodka gekauft und getrunken. Es war bereits weit nach Mitternacht, als sie sich auf den Heimweg machten und es zum Streit kam. Sein damals 20-jähriger Saufkumpan hatte ihn beschimpft, erinnert sich der Angeklagte. Es kam zu einer Prügelei vor dem Elternhaus des Angeklagten. Die Familie ging dazwischen, drohte mit der Polizei. Die beiden jungen Männer versöhnten sich schließlich wieder.

'Ausgetickt'

Als der 19-Jährige daheim sein blaues Auge entdeckte, sei er 'ausgetickt'. Er nahm ein Taschenmesser und machte sich auf die Suche nach dem 20-Jährigen, der noch nicht weit gekommen war. 'Ich stech’ Dich ab', drohte der 19-Jährige, packte den anderen und versuchte, auf ihn einzustechen: Beim ersten Versuch konnte der 20-Jährige dessen Hand festhalten. Beim zweiten Mal konnte er ausweichen. Beim dritten Mal erwischte die rund acht Zentimeter lange Klinge seine Brust. Er lief davon, während der 19-jährige Angeklagte das Messer nach ihm warf. Auch er machte kehrt, ging nach Hause und verkündete dort, sich der Polizei zu stellen.

Sein 20-jähriger Kumpel ließ seine oberflächliche Wunde indessen im Krankenhaus behandeln: Ein Unbekannter habe ihn angegriffen, sagte er den Ärzten. Dass er nicht schlimmer verletzt worden ist, 'ist nur dem Zufall geschuldet', sagte Rechtsmediziner Dr. Horst Bock. Das Opfer erschien nicht vor Gericht. Kurz vor der Verhandlung hatte es telefonische abgesagt.

Mit Ausnahme des Trinkens hatte der 19-Jährige keine Hobbys. Nach seinem Hauptschulabschluss 2010 war der junge Mann zwei Jahre arbeitslos. Einmal in der Woche ging er zur Berufsschule, die restlichen sechs Tage 'habe ich geschlafen oder war draußen'. Alkohol war stets mit dabei: 20 Halbe Bier und nicht nur eine Flasche Wodka am Tag. Sein Vater besorgte ihm schließlich einen Job - doch auch dort blieb der Angeklagte nicht lange. 'Ich bin öfter angetrunken zur Arbeit gekommen oder gar nicht.'

'Es war alles okay mit ihm', sagte hingegen die Mutter des 19-Jährigen unter Tränen aus. Gutachten der Jugendgerichtshilfe und der Forensischen Psychiatrie belegen jedoch Reifeverzögerungen, schädliche Neigungen und ein Alkoholproblem. 'Er muss in eine Einrichtung, sonst hat er keine Chance', sagte ein Experte.

Weil der 19-Jährige seit Herbst in U-Haft sitzt, kann er schon bald mit der Therapie beginnen. Der Angeklagte habe einen Menschen aus sinnlosem Grund töten wollen, sagte Richterin Grenzstein. Weil er ihm nicht nachgelaufen war und das Messer zugeklappt hatte, als er es nach seinem Opfer warf, wird die Tat juristisch als gefährliche Körperverletzung gewertet. 'Die Selbstanzeige war ein Hilferuf', fasste Grenzstein zusammen, 'weil er erkannt hat, dass es so nicht weitergehen kann'.

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