Sonthofen / Oberallgäu
Verschmähter Romeo lässt nicht locker

Von diesem Romeo, der sogar auf einen Baum kraxelte, nur um der Liebsten nahe zu sein, wollte seine Julia partout nichts mehr wissen. Sie hatte Schluss gemacht mit ihm. Doch Romeo ließ nicht locker. Er bombardierte sie täglich mit bedrohlichen Telefonanrufen und SMS. Immer wieder schlich er ums Haus der Verflossenen und verfolgte sie auf dem Weg zur Arbeit. Jetzt gab es vor dem Amtsgericht Sonthofen die Quittung für derlei hartnäckige Nachstellungen, neudeutsch Stalking genannt. Der verschmähte Liebhaber muss für eineinhalb Jahre hinter Gitter, auch weil er wegen einer anderen Straftat noch unter offener Bewährung stand. «Wer dermaßen heftig agiert, hat keine positive Sozialprognose», sah der Richter keine Chance für den Kraftfahrer, ein letztes Mal dem Gefängnis zu entrinnen. Er blieb sogar etwas über dem von der Staatsanwältin verlangten Strafmaß, während die Verteidigerin einen Freispruch für ihren Mandanten reklamiert hatte. Sie hatte darauf hingewiesen, dass der Angeklagte doch nach einem gerichtlich verhängten Kontaktverbot von seiner Ex-Lebensgefährtin abgelassen habe. Und nie habe er Gewalt angewendet.

Dies war tatsächlich so. Aber, was über ein halbes Jahr lang an angst- machenden Belästigungen und Bedrohungen passiert war, schilderte nicht nur die frühere Freundin in überzeugenden Worten. Auch der Sohn und die beiden Töchter der total eingeschüchterten Frau machten als Zeugen klar, dass es bei den Annäherungsversuchen nicht nur darum gegangen war, es noch einmal miteinander zu versuchen. «Auf den Baum bin ich nur aus großer Liebe gestiegen. Ich wollte sie sehen», erklärte der vor Gericht überaus selbstbewusst auftretende Ex-Freund sein damaliges Tun.

Permanent aufgelauert

«Egal, wo ich war, hat er mir aufgelauert», beschrieb die Frau ihre Bedrängnis. Schließlich habe sie sich nicht mehr aus dem Haus getraut. Wenn sie bei der Arbeit gewesen sei, hätten sie Kollegen beschirmen müssen. Doch auch da kam es zu einem Vorfall, wie vor Gericht dargelegt wurde.

Richter und Staatsanwalt sahen es als erwiesen an, dass der Angeklagte in einem Lokal einem Gast mit folgender Ankündigung gedroht habe: «Ich schneide dir die Kehle durch». Der Gast hatte sich schützend vor die Frau gestellt.

Mit Messer bedroht

Von Messer-Drohungen kann auch ein Oberallgäuer Gerichtsvollzieher ein Lied singen. Er hatte in einer anderen Gelegenheit mit dem Angeklagten zu tun. Es entwickelte sich ein ähnliches Spiel: Telefonterror gegenüber dem Geldeintreiber, Verfolgungsfahrten mit dem Auto und die verbale Attacke: «Ich schneide Dir den Kopf ab».

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