Autofahren
Verkehrssünden im Ausland: Oft kommt das Knöllchen für Allgäuer als spätes Souvenir

Angeblich keine Maut berappt, nun soll sie Strafe zahlen: Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Jahren hat eine 54 Jahre alte Oberallgäuerin Post aus Italien bekommen. Ein Inkasso-Unternehmen will Geld eintreiben. <%IMG id='1362945' title='Blitzer '%>

So dürfte es derzeit vielen Allgäuern gehen. Im Urlaub Verkehrssünden begangen oder zumindest im Verdacht: Was dann geschieht, wie Autofahrer richtig reagieren und wie man sich wehren kann.

Der Fall

20,26 Euro. So viel will 'Nivi-Credit' von der Oberallgäuerin haben. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben für die italienische Autobahngesellschaft und es geht um einen Vorfall aus dem Jahr 2011. Damals soll die 54-Jährige in Italien unterwegs gewesen sein, ohne Straßenmaut zu zahlen. Dazu ein Aktenzeichen, Bankdaten, eine 14-stellige Telefonnummer für Auskünfte, eine Internetadresse und eine Buchstabenkombination zum Einloggen.

Zahlen per Kreditkarte: kein Problem. Ist das alles überhaupt legal oder handelt es sich um eine Abzockmasche, vielleicht um ein Betrügerschreiben? Denn die Allgäuerin kann sich zwar an einen Italienurlaub zu dieser Zeit erinnern, nicht aber daran, damals die Maut schuldig geblieben zu sein.

Die Experten

Um die Inkasso-Schreiben aus dem Ausland kümmert sich zum Beispiel das Europäische Verbraucherzentrum Deutschland mit zwei Niederlassungen in Kehl und Kiel. Dort sind auch Allgäuer richtig. Zunächst einmal darf Nivi-Credit tatsächlich für italienische Städte und Gemeinden Geld bei deutschen Autofahrern eintreiben, sagt Verbraucherzentrums-Jurist Patrik Oppelt. Bei dem Schreiben handelt es sich also nicht um Betrug, sondern um einen 'normalen' Versuch, ans Geld der Verkehrssünder zu kommen.

Auch deutsche Behörden tun das, etwa über 'Sicherheitsleistungen' direkt vor Ort bei einer Kontrolle. Wer aber (wie die 54 Jahre alte Oberallgäuerin) von den Italienern zur Kasse gebeten wird, sich aber nichts vorzuwerfen hat, sollte eines tun: widersprechen. Denn sonst kommen immer wieder Schreiben, sagt Jurist Oppelt. Letztlich könnten die italienischen Behörden Fälle auch an die deutschen Kollegen weitergeben. Das komme aber selten vor. Per Abkommen bleibt das Bußgeld dann nämlich auf deutscher Seite, der Aufwand lohne sich für die Italiener also nicht.

Generell treiben die Italiener Bußgelder bis zu fünf Jahre nach den Verstößen ein. Sie sind aber nicht allein. Auch andere Länder (etwa Frankreich) kassieren bei deutschen Rasern, sagt Oppelt. Dann geht es darum: Welche Beweise liegen vor (Videos, Fotos, Unterlagen) – und zeigen sie wirklich ein Vergehen? Immer wieder würden Raser gefälschte Kennzeichen verwenden, womit am Ende Unschuldigen die Bußgelder in Rechnung gestellt würden. Rechtsberatung zu den Auslandsknöllchen gebe es vor allem beim Autofahrerclub ADAC, sagt Verbraucherschutz-Anwalt Oppelt.

Die Polizei

Nicht nur die Allgäuer verstoßen im Ausland gegen Verkehrsregeln. Umgekehrt fahren auch Urlauber und Ausländer im Allgäu zu schnell, parken falsch oder verstoßen gegen die Verkehrsregeln. Zuverlässige Zahler seien die Schweizer, heißt es von der Polizei. Was aber auch damit zusammenhängen könne, dass bei den Eidgenossen die Strafzahlungen generell höher seien, ihnen also deutsche Verhältnisse noch günstig vorkommen. Zu den bekannten Raserstrecken des Allgäus gehört die A96. Ende Juni blitzte es bei einer Messung alle 20 Sekunden.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen