Buchloe
«Verkehrsmoral lässt nach»

Meist geht es sehr schnell. Ein dunkler Schatten, der aus dem Gebüsch plötzlich auf die Fahrbahn huscht. Ein Augenpaar, das im Scheinwerferlicht noch mal kurz aufleuchtet. Dann der Aufprall. Eine reelle Chance, noch zu reagieren oder gar abzubremsen, haben Autofahrer bei Wildunfällen kaum. 50 Zusammenstöße registrierte die Polizeiinspektion (PI) Buchloe im ersten Halbjahr 2009. Zwar waren es somit sieben weniger als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, laut Verkehrssachbearbeiter Bernhard Löcherer sei dies jedoch immer noch «ein verdammt hoher Wert».

Neben Kollisionen mit kleineren Tieren wie Füchsen oder Dachsen befinden sich darunter auch zahlreiche Zusammenstöße mit Rotwild. «Unfallschwerpunkte sind Straßenabschnitte, die auf der einen Seite von Wald, auf der anderen von offenem Gelände wie Wiesen und Feldern gesäumt sind», erklärt Löcherer. Wie etwa an den Verbindungsstraßen zwischen Dillishausen und Lamerdingen, Buchloe und Honsolgen sowie Beckstetten und Weicht. Erfahrungsgemäß bewirkten dort auch die blauen Reflektoren, die das Wild abschrecken sollen, wenig. «Das Einzige was einen Wildunfall sicher vorbeugt, ist: Fuß runter vom Gas und die Geschwindigkeit drosseln», erklärt der Leiter der PI Buchloe, Otto Hahn.

Bei einem Tempo unter 80 Stundenkilometer sei die Chance höher, dass das Rotwild die Distanz zum herannahenden Fahrzeug noch richtig einschätzen kann - und am Straßenrand stehen bleibt.

Insgesamt ging die Zahl der Verkehrsunfälle zwischen Januar und Juli dieses Jahres im Vergleich zu 2008 von 201 auf 196 leicht zurück (siehe Grafik). «Sehr erfreulich» stimmt die Beamten vor allem, dass es dabei zu keinem Toten und nur wenigen Verletzten kam. Bei den 37 «Personenschäden» handelte es sich vorwiegend um leichte Blessuren. Lediglich sieben Personen mussten mit schwerwiegenden Verletzungen über Nacht im Krankenhaus stationär behandelt werden.

Ein Wert, der für Hahn den allgemeinen Trend bestätigt: «Die Zahl der Unfalltoten und Schwerverletzten ist in den vergangenen 30 Jahren stark zurückgegangen.» Zahlreiche Unfallschwerpunkte straßenbaulicher oder (fahrzeug)technischer Art seien in dieser Zeit entschärft worden. «Der Airbag hat die Überlebenschance deutlich erhöht», meint der Polizeichef.

Ebenfalls erfreulich stimmt Hahn, dass nur 15 der registrierten Unfälle auf eine überhöhte Geschwindigkeit des Verursachers zurückzuführen sind. «Die Raserei ist nicht das große Problem», betont er. Damit dies so bleibt, führen die Beamten der PI fast täglich Kontrollen mit der Laserpistole durch - «wenn auch bloß mal für eine halbe Stunde», ergänzt Löcherer. Dabei gehe es nicht darum, eine möglichst große Masse an Verkehrsteilnehmern zur Kasse zu bitten, sondern die «dicken Fische», wie Hahn sie nennt, zu fassen.

«Bodenlose Einstellung»

Leicht gestiegen ist hingegen erneut die Anzahl an Unfallfluchten. Fast jeder zweite der 70 schwerwiegenden Sachschäden sei davon betroffen. Über 40 Prozent der Fälle konnten zwar im Nachhinein vom zuständigen Unfallfluchtfahnder geklärt werden - 15 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum - so richtig Freude will bei den Beamten jedoch keine aufkommen. Löcherer: «Es ist schon bodenlos, was für eine Einstellung manche Menschen haben. Unfallflucht ist eine Straftat.» Im Regelfall führe diese bei einem höheren Sachschaden unweigerlich zum Führerscheinentzug. Bis zu einem Jahr. Hahn stößt in das gleiche Horn: «Bei vielen Menschen lässt leider die Verkehrsmoral nach; Verkehrsregeln werden oft nur noch als Empfehlungen angesehen.»

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