Kaufbeuren / Ostallgäu
Verfolgungsjagd wegen eines kaputten Gartentors

«Es ist eine solche Unglaublichkeit, was Sie sich damals geleistet haben. Mir fehlen die Worte.» Dieser Kommentar der Richterin galt nicht etwa dem Angeklagten, sondern zwei Zeugen. Die jungen Männer hatten dem 49-Jährigen im Mai 2008 im Großraum Kaufbeuren eine filmreife Auto-Verfolgungsjagd geliefert - und dies offenbar nur deshalb, weil er zuvor das Gartentor seiner Lebensgefährtin beschädigt hatte.

Der psychisch angeschlagene Mann - laut Gutachten leidet er an einer schizo-affektiven Störung - war damals in Panik geraten und hatte schließlich in Kaufbeuren einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem eine 38-jährige Autofahrerin aus Dietmannsried und deren zehnjähriger Sohn Prellungen und Schleudertraumata erlitten. Der Angeklagte hatte der Frau an der Kreuzung Kemnater Straße/Kemptener Straße die Vorfahrt genommen und war nach der Kollision weitergefahren. Einer Streifenbesatzung, die ihn schließlich in Germaringen anhielt, erklärte er dann unter anderem, er sei der Bruder von Michael Schumacher.

Wegen der seelischen Erkrankung des Angeklagten stand fest, dass der 49-Jährige schuldunfähig ist und nicht bestraft werden kann. Allerdings waren sich die Beteiligten darin einig, dass er derzeit ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen ist. Sein sichergestellter Führerschein bleibt deshalb noch zwölf Monate lang gesperrt.

Der Verfolgungsjagd war seinerzeit offenbar ein Konflikt des Angeklagten mit den Töchtern seiner Lebensgefährtin und deren Freunden vorausgegangen. Als er das Gartentor anfuhr - beim Wenden, wie er jetzt betonte -, eskalierte die Situation. Der 18-jährige Freund der jüngeren Tochter hatte nach eigenen Angaben ein absichtliches Manöver gesehen und fuhr dem Angeklagten nach, um ihn zur Rede zu stellen. Der Freund der anderen Tochter saß dabei mit im Auto.

Auf einer Wiese kam es dann zu einer Art Showdown, an den sich ein Anwohner als Zeuge noch lebhaft erinnerte: Die jungen Männer hätten versucht, den Angeklagten zu stellen und ihm eine «filmreifen James-Bond-Verfolgungsjagd» quer übers Feld geliefert. Schließlich seien beide Fahrzeuge «mit Vollgas auf die Straße geprescht». Er fügte hinzu: «Wenn da jemand gelaufen wäre, von dem wäre nichts mehr übrig gewesen.» Auch die anschließende Fahrt nach Kaufbeuren war so riskant, dass die Richterin dem 18-jährigen Verfolger jetzt vorhielt: «Alleine das würde locker für ein Fahrverbot reichen.» Die Vorwürfe seien aber inzwischen verjährt. Die Ermittlungen hatten sich seinerzeit verzögert, weil der Aufenthaltsort des Angeklagten eine Zeitlang unklar war. Mittlerweile wohnt er wieder bei seiner Lebensgefährtin.

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