Forscher
Verein für Höhlenkunde erkundet das Hölloch im Kleinwalsertal

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'Das ist das totale Abenteuer direkt vor der Haustüre. Man betritt Welten, die noch nie zuvor ein Mensch gesehen hat', sagt Gerhard Baur. Die Hände des Dokumentarfilmers formen immer wieder ein kleines Viereck.

Fast so, als ob er die Bilder aus seinem Kopf auf die Tischplatte vor sich projizieren will. Sein Freund Manfred Bodem nickt zustimmend. Obwohl die beiden 65-Jährigen in der gemütlichen Immenstädter Wohnküche von Bodem sitzen, sind sie in Gedanken weit weg.

100 Meter in der Tiefe. In einem dunklen Schacht, der seit mehr als 100 Jahren die Menschen in seinem Bann zieht. Mit dem Sonthofer Verein für Höhlenkunde erforschen die beiden schon seit rund 40 Jahren das Hölloch im Kleinwalsertal – und die Faszination der Unterwelt lässt sie nicht mehr los.

'Eine Höhle erkunden ist ein unglaubliches Erlebnis. Das kann man mit nichts vergleichen', schwärmt Gerhard Baur. 'Hat man einen Berg vor sich, den noch nie jemand bestiegen hat, kann man ihn zumindest von unten anschauen, ihn fotografieren.

In einer Höhle weiß man nie, was kommt.' Der Dokumentarfilmer hat schon viele Abenteuer erlebt, war im Himalaya, durchstieg mit 17 Jahren die Matterhorn-Nordwand. Das Hölloch jedoch ist für ihn etwas Besonderes.

'Als Kind habe ich die Geschichte von Sepp Gerstmair gelesen, der bei einer Vermessungsexpedition 1936 im Hölloch starb. Da hab ich gesagt: Da will ich nie hinuntergehen. Jetzt habe ich schon drei Filme über die Höhle gedreht.'

Sein Forscherkollege Bodem ist Kletterer aus Leidenschaft. Zum Höhlenforschen ist er aus einer lustigen Laune heraus gekommen. 'Wir waren immer beim Klettern. Als es mal regnete, dachten wir, wir könnten mal in eine Höhle zum Klettern. Da gibt es ja keinen Regen und man wird auch nicht nass.'

Doch das sollte sich als falsch erweisen. Nass wird man im Hölloch auf jeden Fall. Bodem lernte für die Erkundungstouren sogar mit 50 Jahren noch das Tauchen. Denn im unheimlichen Loch im Gottesackerplateau nördlich des Hohen Ifens warten viele Hallen, in die man nur durch Siphons – unterirdische Wasserbecken – kommt. 'Erst durchs Tauchen ging die Forschung damals weiter. Da haben wir eine Schallmauer durchbrochen', erzählt Baur.

Noch heute aktiv

Der Sulzberger ist schon vor der Gründung des Sonthofer Vereins für Höhlenkunde 1975 bei der Höllochforschung beteiligt gewesen. Manfred Bodem ist seit 21 Jahren im Verein. Beide steigen auch heute noch ins Loch.

'Aber die richtige Erkundungsarbeit überlassen wir unserem jungen Nachfolgerteam', erklärt Bodem. Das erschließt derzeit im Gottesackerplateau die Spitzeckhöhle. Rund 40 Mitglieder zählt der Verein. In der eigentlichen Forschung ist ein Team mit vier bis sechs Personen aktiv.

Im Sommer planen sie akribisch ihre Touren. 'Jede Schraube, jedes Feuerzeug, das mitgeht, wird eingeplant', sagt Bodem. 'Bergsteigen auf einen 8000er ist von der Planung her dagegen ein Kinderspiel', ergänzt Baur.

Im Winter macht sich dann das Team auf in die Höhlen. Disziplin und Konzentration seien dann das A und O. 'Taucht man erst einmal durch ein Siphon, weiß man, es gibt kein zurück, wenn man sich verletzt. Man ist auf sich selbst angewiesen; auf Gedeih und Verderb', sagt Baur mit ernstem Gesicht.

Höhlen kartografieren, vermessen und sich für den Erhalt einsetzen sind die Aufgaben des Vereins. Eine unendliche Arbeit. Denn bis jetzt sind laut Baur nicht mal zehn Prozent der Höhlen im Gottesackerplateau erschlossen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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