Kaufbeuren
Verbrecher haben es schwer

Natürlich gehöre immer auch das nötige Quäntchen Glück dazu, meint Andreas Trinkwalder, Leiter der Kaufbeurer Kriminalpolizei. Doch die Aufklärungsquote von knapp 76 Prozent führt er auf den Fleiß seiner Mannschaft zurück: Gute Tatortarbeit sei dafür nötig, kriminalistischer Scharfsinn ebenso wie geschickte Vernehmungen und die Nutzung technischer Möglichkeiten. Der Abgleich von DNA-Spuren zum Beispiel. Im ersten Halbjahr 2009 ging die Zahl der Straftaten weiter zurück. Und drei Viertel aller Fälle wurden letztlich auch erfolgreich bearbeitet.

In den meisten Deliktsbereichen seien die Anzeigen von Januar bis Juni im Vergleich zum gleichen Zeitraum des vergangenen Jahres zurückgegangen. Einzig in Sachen Raub habe sich die Zahl verdoppelt, erklärt Trinkwalder. Waren es im ersten Halbjahr 2008 noch drei Fälle, musste die Polizei diesbezüglich heuer bereits sechs Mal ermitteln. Zudem habe man auf diesem Gebiet mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Immer öfter würden Überfälle nur vorgetäuscht. «Den Menschen fehlen zum Beispiel Erklärungen, wenn der Geldbeutel plötzlich nicht mehr da ist. Oder sie haben Angst, solche Verluste zu Hause zu beichten. Und schon war das eben der unbekannte Täter», sagt Trinkwalder. Für die Polizei sind solche Falschmeldungen mit enormem Arbeitsaufwand verbunden. Schließlich müsse man diesen Anzeigen ebenso ernsthaft nachgehen.

Aber auch für die Betroffenen habe ein vorgetäuschter Überfall weitreichende Folgen: Sie werden angezeigt, müssen im schlimmsten Fall sogar mit horrenden Schadensersatzforderungen rechnen. Sprich: Ihnen wird die komplette Arbeit der Polizei in Rechnung gestellt - von der Fahndung über die Vernehmung bis hin zum Hubschraubereinsatz.

Während es in der ersten Jahreshälfte heuer weder Mord noch Totschlag gab und auch die Anzeigen wegen sexuellen Missbrauchs von sechs auf zwei Fälle zurückging, hat es die Kripo wieder vermehrt mit Drogenkriminalität zu tun. Zwei Menschen starben seit Januar bereits an ihrer Sucht, die Zahl der Delikte stieg von 50 auf 57. «Wir haben in Kaufbeuren eine Szene», meint Trinkwalder. Und die reiche von Ecstasy über Haschisch und Marihuana bis zu Heroin.

Zusätzlich geht er auch von einer hohen Dunkelziffer aus. Habe man den einen Kreis ausgehoben, sei ein anderer schon wieder gebildet. «Die Delinquenten werden immer raffinierter», so der Kripo-Chef.

Zur sogenannten Eigentumskriminalität zählen unter anderem Einbrüche in Wohnungen. Sie gingen heuer bislang von 21 auf 14 zurück. Dabei ist Trinkwalder auf einen Coup besonders stolz: In den vergangenen drei Jahren gingen der Polizei insgesamt 20 Mehrfachtäter ins Netz. «Sie sitzen inzwischen überwiegend in Haft. Damit lässt sich der Rückgang erklären», sagt er. Einen Serieneinbrecher ertappten die Beamten sogar auf dem Weg zum nächsten Einbruch. Und dorthin war der Mann auch noch mit einem gestohlenen Auto unterwegs.

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