Westallgäu
Verbraucherzentrale: Briefe ignorieren

Verkaufsfahrt statt Lottogewinn Der Brief von «Dr. Koch&Partner Finanzdienstleistungen» verspricht fast 1000 Euro, persönlich abzuholen in einem Ort der Umgebung. Doch hinter dem «Gewinnübergabetermin» verbirgt sich nach Erkenntnissen der Verbraucherschützer eine klassische Verkaufsveranstaltung.

Das Schreiben von «Dr. Koch&Partner» haben in der vergangenen Woche etliche Leser der Heimatzeitung erhalten. Der «Finanzdienstleister» erklärt darin, für den Empfänger 1000 Euro aus versprochenen aber nicht ausgezahlten Gewinnmitteilungen erstritten zu haben. Abzüglich Geschäftsgebühr, Zinsen und Porto sollten exakt 946,72 Euro als Restguthaben bereitstehen. Das Geld, schreibt, Dr. Koch&Partner, könne am 8. März in «unserer Zweigstelle in der Nähe von Weiler-Simmerberg» persönlich abgeholt werden. Für die Fahrt stelle das Unternehmen kostenlos Busse zur Verfügung. Das Schreiben trägt ein Aktenzeichen, Vorgangsnummer und den Namen eines Sachbearbeiters, eine Telefonnumer für Rückfragen fehlt.

Dutzenden Bürgern im Kreis ist das Schreiben in der vergangenen Woche ins Haus geflattert. Luise Kiechle gehört dazu. «Ich spiele manchmal mit Viertel- und Achtellosen Lotto», erzählt sie, deshalb glaubte sie zunächst an die Ausschüttung. Früh um 6.55 Uhr stand sie an der Bushaltestelle in Ellhofen, mit ihr noch drei weitere Bürger. Alle hatten den gleichen Brief erhalten. Luise Kiechle wurde misstrauisch und sprach den Busfahrer an, wollte wissen, wohin die Reise gehen sollte. In die Nähe von Memmingen zu einer Verkaufsveranstaltung, habe sie als Antwort bekommen. Luise Kiechle verzichtete auf die Fahrt, das gleichfalls angekündigte «wunderschöne Rahmenprogramm» und das Navigationsgerät, das der Finanzdienstleister als «Prämie» vorbereitet hatte.

In ganz Deutschland verschickt

Damit hat sie wohl das Richtige getan. «Am besten man ignoriert diese Briefe und lässt sich nicht darauf ein, sonst gerät man sehr schnell in einen Strudel», sagt Tatjana Halm, Juristin der Verbraucherzentrale Bayern. Außerdem sollen die Angeschriebenen keinesfalls ihre Bankdaten preisgeben. Die Verbraucherzentrale rät auch davon ab, sich bei dem «Finanzdienstleister» zur Gewinnübergabe anzumelden und dort «sein Geld» einzufordern: «Man weiß nicht, was einen vor Ort erwartet» (Halm). Zurzeit erhält die Verbraucherzentrale überdurchschnittlich viele Meldungen zu solchen Gewinnspielmitteilungen. «Daran kann man merken, dass diese Massenbriefe in einer großen Welle in ganz Deutschland verschickt werden», so die Expertin.

Das bekommt auch die Anwaltskanzlei «Dr. Koch&Partner» aus Schmalkalden (Thüringen) zu spüren. Sucht man sie im Internet, taucht die Seite dieser Kanzlei unter den ersten fünf Treffern auf. Dabei haben die Anwälte nichts mit dem Finanzdienstleister zu tun. Für die Angeschriebenen ist das aber nicht ersichtlich. Sie wenden sich - meist per E-Mail - an die Kanzlei und wollen wissen, wann der Gewinn ausbezahlt wird, berichtet Alexander Held, der als Anwalt in der Kanzlei arbeitet. Für die Kanzlei gibt es keine Möglichkeit, an die Hintermänner heranzutreten. «Bis auf eine Postfachadresse wissen wir gar nichts», sagt der Anwalt. (sap, pem)

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