Oberbeuren
Verbote allein nützen nichts

Dass sich etwas ändern muss, ist Konsens. Doch wie der zunehmende Alkohol- und Drogenmissbrauch von Kindern und Jugendlichen in den Griff zu bekommen ist, das weiß keiner so recht. Mit einem kontroversen Referat zum Thema Drogenprävention des Münchner Chemie-Professors Dr. Michael Anton (Auszüge siehe nebenstehender Text) und einer Reihe regionaler Fachleute auf dem Podium versuchte der Förderkreis Schule und Jugend Oberbeuren, mehr Licht in diese dunkle Seite gesellschaftlicher Entwicklungen zu bringen.

Ziel des gut besuchten Informationsabends: Die geladenen Gäste (darunter Jugendleiter, Lehrer, Vereinsvorstände und kommunale Jugendbeauftragte) sollten nicht nur für das Thema sensibilisiert werden, sondern auch ihre Erfahrungen und Ideen zur Lösung des Problems mit einbringen. Dass die Podiumsteilnehmer auf unterschiedliche Art und Weise in das Thema involviert sind, ermöglichte einen differenzierten Blick auf die «Koma-Kids»: Die einen - wie etwa Schulamtsdirektorin Eva Severa-Saile - können frühzeitig etwas dagegen unternehmen.

Bis drei Promille

Die anderen kommen erst dann zum Einsatz, «wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist», wie Britta Braunmüller von der Caritas Suchtberatung und der Kinderarzt Dr. Thomas Rubens. Die dritte Gruppe wiederum versucht sich zwar in der Präventionsarbeit, ist aber zugleich fast täglich mit den Auswüchsen der jugendlichen Orientierungslosigkeit konfrontiert, wie Thomas Maier, der Leiter der Polizeiinspektion Kaufbeuren, Wolfgang Hawel vom Gesundheitsamt oder Alfred Riermeier im Kaufbeurer Jugendamt (Riermeiers Motto: «Prävention ist besser als Nachsorge»). «Wir müssen eine Kultur des Hinschauens entwickeln», forderte Dr. Thomas Rubens.

Wie Polizeichef Thomas Maier («erschreckende Steigerungsraten») ist auch der Kinder- und Jugendarzt am Klinikum Ostallgäu mehr als besorgt über die zunehmende Zahl schwer betrunkener Kinder und Jugendlicher. Knapp drei Dutzend Fälle mit Blutalkoholwerten von ein bis drei Promille mussten heuer schon versorgt werden.

Zum Glück bleibe der Klinikaufenthalt bei den meisten Jugendlichen aber «ein einmaliges Erlebnis». Dass Alkohol zu leicht verfügbar und sein Genuss auch noch massiv beworben wird, kritisierte nicht nur Wolfgang Hawel. Schuld daran seien auch die erfindungsreiche Getränkeindustrie und «Brauereien, die ihre Umsatzeinbußen durch Alco-Pops für Jugendliche ausgleichen wollen».

Einen der jüngsten Fälle schilderte Thomas Maier: ein 12-jähriger Bursche, «der von einem 14-jährigen mit Wodka versorgt wurde». Was Maier immer wieder erstaunt: «das mangelnde Problembewusstsein der Eltern». Britta Braunmüller äußerte sich besorgt um die relativ große Gruppe jener Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die keine anderen Ansprechpartner haben als die Leute in ihrer Clique.

«Es fehlt an Vorbildern». Ihr Zusatz - «auch in den Vereinen» - löste dann eine lebhafte Diskussion aus.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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