Computerspiele
«Verbieten bringt nichts»

Über den Computer-Bildschirm huscht ein Vermummter. Er richtet sein Maschinengewehr auf einen Mann in dunklem Kampfanzug. Er schießt, bis der andere am Boden liegt. Auftrag erfüllt: Der Terrorist ist ausgelöscht. Die grauhaarige Frau am Computer lehnt sich zurück. Sie ist Besucherin einer sogenannten LAN-Party für Eltern, die von der Piratenpartei Schwaben und «GamePäd» organisiert wird. «GamePäd» ist ein Zusammenschluss von Pädagogen, die Erwachsenen den Umgang mit Computerspielen erläutern.

«Viele Eltern wissen nicht, was in den Kinderzimmern passiert», sagt Christian Haas, Bezirksschatzmeister der Piratenpartei. «Der Faszination ihres Nachwuchses für Computerspiele stehen sie oft ratlos gegenüber.» Dies soll sich bei der LAN-Party in der Memminger Kattunfabrik ändern.

«Ich lehne Computerspiele ab. Aber mein zwölfjähriger Sohn sitzt für meine Begriffe zu oft vor dem Bildschirm», sagt eine Frau mittleren Alters und legt etwas zögerlich die Hand auf die Tastatur. «Selbst habe ich das noch nicht ausprobiert. Aber heute will ich mich über die verschiedenen Spiele informieren.» Dann beginnt eine neue Runde des Computer-Aktionsspiels «Counter-Strike», bei dem Anti-Terror-Einheiten gegen Terroristen kämpfen und unter anderem versuchen, diese zu eliminieren.

«Über Risiken informieren»

«Es bringt nichts, Kindern und Jugendlichen das Computerspielen zu verbieten», sagt Katrin Eberhardt, Bezirksvorsitzende der Piratenpartei. «Aufklärung ist wichtig. Eltern sollten ihre Kinder über die möglichen Risiken der Gewalt darstellenden Spiele informieren.»

Für Computer und Internet gelte dasselbe wie für andere Bereiche: Es sei nie gut, Kinder ganz sich selbst zu überlassen. «Interessiert man sich nicht für das, was der Nachwuchs treibt, kommt oft Mist dabei raus», sagt Vinzenz Vietzke, Politischer Geschäftsführer des Bezirksverbands Schwaben. «Man muss gemeinsam mit den Kindern etwas unternehmen, gemeinsam mit ihnen am Computer spielen.» Dies tun unterdessen die Anwesenden an den acht Rechnern in der Kattunfabrik.

Danach wird Bilanz gezogen: «Ich habe meine Meinung nicht geändert», sagt eine Mutter von zwei Mädchen. «Meines Erachtens gehören viele Computerspiele nicht in die Hände von Kindern und Jugendlichen.» Ein Vater, ihr gegenüber, fügt an: «Es ist zwar alles nur virtuell. Dennoch schieße ich in dem Spiel auf Menschen.» Eine Mutter nickt. Ihr wäre es lieber, ihr Sohn würde ein Instrument spielen oder auf den Fußballplatz gehen, anstatt vor dem Bildschirm zu sitzen: «Doch wenn man etwas sagt, heißt es nur: Mama und Papa verstehen das nicht.»

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