V-Stil in Immenstadt erfunden

Von Tobias Schuhwerk Immenstadt Wenn die weltbesten Skispringer am Montag in einer Woche zum ersten Mal von der neuen Schanze zum Auftakt der Vierschanzen-Tournee in Oberstdorf springen, wird Toni Rist aus Immenstadt das Geschehen mit einem tiefen Seufzer begleiten. Schon immer wollte der 81-Jährige ein derart großes Springen in seinem Heimatort haben dafür hatte er vor über 50 Jahren mit dem Bau der Immenstädter Schanze den Grundstein gelegt. Doch dann kam alles anders. Dann kamen die Urgewalten. Keine zwei Jahre stand die Immenstädter Schanze am Mittag, als 1952 ein Erdrutsch weite Teile der schönsten Naturschanze Deutschlands (Rist) mit sich riss. Als man ihm von dem Vorfall berichtete, brachen auch bei Toni Rist die Dämme: Er habe geheult wie a kloiner Bua, gesteht der Senior, der durch den Zusammenbruch der Schanze seinen zweiten Rückschlag im Skispringen hinnehmen musste. Der erste hatte darin bestanden, dass Rist der große Durchbruch versagt blieb. Er erzielte zwar große Weiten, sprang in seiner Glanzzeit um die 70 Meter. Doch Zeit seiner Karriere wurde er von den Juroren mit überdurchschnittlich hohen Abzügen bedacht. Kräftigeres linkes Bein Der Grund war seine angeblich schlechte Haltung. Das Leichtgewicht, das bei einer Größe von 1,64 Meter knapp über 50 Kilo wog, sprang schon damals wie die Springer heute: im V-Stil.

Ein Sportarzt führte das darauf zurück, dass sein linkes Bein weitaus kräftiger sei als das rechte. Dies führe zu einem ungleich starken Absprung. Die Folge: Immer wieder hats mir die Ski in der Luft auseinandergerissen. Ich konnt einfach nichts dagegen machen, erinnert sich Rist. Selbst sein Konkurrent, der Oberstdorfer Weltrekordler Sepp Weiler, habe da Mitleid bekommen: Wer so gut abspringt und in der Luft liegt, der muss doch auch die Ski parallel halten können. Doch Rist wollte es einfach nicht gelingen. Dafür durfte er Anfang der 90er Jahre Genugtuung verspüren, als der schwedische Weltcup-Gesamtsieger Jan Bokloev mit Sprüngen im V-Stil die Sportwelt auf den Kopf stellte. Der springt ja wie ich, jubelte Toni Rist vor dem Fernseher. Heute ist der V-Stil aus der Skisportszene nicht mehr wegzudenken. Kein Wunder, dass sich Rist der Skisprung-Szene wieder eng verbunden sieht. Vor allem wünscht er sich, dass der im deutschen Team in Ungnade gefallene Oberstdorfer Frank Löffler Enkel des legendären Sepp Weiler schnellstens wieder nominiert wird. Die Diskussion um Ernährung und Disko-Besuche sei absurd Löffler habe schließlich Top-Leistungen gebracht. So wie einstmals Toni Rist.

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