Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Schießerei
Urteil im Rocker-Prozess am Landgericht Memmingen: Zwölf Jahre Haft

Er hat einen Menschen auf offener Straße erschossen. Einen zweiten beinahe. Nun muss Asmon G. für zwölf Jahre ins Gefängnis. Das entschied gestern das Memminger Landgericht.

Neben ihm wurde der zweite Angeklagte Blerim B. wegen versuchter Strafvereitelung zu einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt, sein jüngerer Bruder Bestrim wurde freigesprochen. Alle drei waren Mitglieder des Motorradklubs 'Rock Machine' und sollen nun angeblich ihren eigenen Klub gegründet haben.

Den drei jungen Neu-Ulmern hat die Staatsanwaltschaft Memmingen vorgeworfen, am 16. Dezember 2012 den 31-jährigen Chef einer Sicherheitsfirma gemeinsam ermordet zu haben. Die ursprüngliche Anklage hat sich verändert, sagte gestern die Vorsitzende Richterin Brigitte Grenzstein bei ihrer Urteilsverkündung am Memminger Landgericht. Aus Mord wurde Totschlag. Denn Asmon G. soll nicht heimtückisch gehandelt haben.

Einige andere Punkte tauchen aber sowohl in der Anklageschrift als auch in den Ausführungen der Richterin auf. Zum Beispiel die Tatsache, dass an diesem Abend zwei Rädelsführer aufeinander getroffen sind: Murat C., eine Größe in der Neu-Ulmer Bordell-Szene, und Blerim B., der Anführer einer neuen Formation von 'Rock Machine'. Weil Bordellbetreiber Murat C. eine Bombendrohung erhalten hatte, wollte er Blerim B., den er als Urheber vermutet hatte, zur Rede stellen. Beide 'Chefs' sind jeweils mit zwei Begleitern gekommen.

Laut Grenzstein habe es dabei einen Unterschied gegeben: Asmon G. hatte die Pistole dabei, Murat C.s Begleiter Alexander S. einen Schlagstock. Nach einem kurzen Gespräch und einer Schlägerei, bei der Blerim B. am Kopf verletzt wurde, hat Asmon G. den zehn Jahre älteren Eduard W. erschossen, sagte Grenzstein.

Dabei gehen Anklage und Urteilsbegründung auseinander: Blerim habe die Pistole nicht - wie zunächst von der Staatsanwaltschaft behauptet - zuhause abgeholt. Das sei während des Prozesses bewiesen worden. Vielmehr habe Asmon G. alles getan, was Blerim B. oder sein Bruder Bestrim ihm sagten. Grenzstein nannte ein Beispiel: 'Bestrim ließ ihn einmal im Garten Schnee schippen, weil er es selbst nicht tun wollte.' Außerdem schickte der 22-Jährige Asmon G. zur Neu-Ulmer Polizei, damit dieser dort seine beschlagnahmten Klamotten wieder abhole.

Asmon sei Blerim B. auch am Tatabend in blindem Gehorsam gefolgt - mit Pistole. 'Er wollte für die Tätigkeit gewappnet sein', sagte Grenzstein gestern. 'Er wollte zeigen, dass er seinen Mann steht.' Dass nicht nur Asmon G. Respekt vor dem Anführer-Typen Blerim B. hatte, sondern auch so manche Zeugen, wurde nach Ansicht von Richterin Grenzstein im Verlauf des Prozesses deutlich: 'Einige hatten Angst - und das nicht vor dem Gericht.'

Kein gemeinsamer Mordplan

Dennoch ist sie der Meinung, dass es keinen gemeinsamen Mordplan unter Bestrim und Blerim B. sowie Asmon G. gab.

Außerdem schließt Grenzstein aus, dass auch das Todesopfer Eduard W. bewaffnet war. Das behauptete Asmon G. in seinem Geständnis vor einigen Wochen vor Gericht. Sein Anwalt ließ dafür den inhaftierten Vater von Rola El Halabi aussagen, der sagte er habe die Pistole, mit der er selbst auf seine Tochter schoss, von Eduard W. erhalten. Was den Prozessverlauf angeht, waren sich Verteidiger und Vorsitzende Richterin nahezu einig: Es gab Pannen.

Vor allem die Ulmer und Neu-Ulmer Polizisten hätten geschlampt, sagten die Anwälte. 'Man kann den Prozess vergleichen mit einem Zauberer, der ein Kanninchen aus einem Hut zieht, das dort schon vorher hineingelegt wurde', sagte beispielsweise Asmon G.s Anwalt Heiko Weber. Die Verteidiger haben nun eine Woche Zeit, Revision einzulegen, sollten sie das Urteil anfechten wollen.

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