Gericht
Urteil im Kokain-Prozess in Kempten: Sechs Jahre und sechs Monate Haft für Armin N.

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Im Kemptener Landgericht ist am dritten Verhandlungstag ein Urteil im Prozess gegen den früheren Chef der Allgäuer Drogenfahndung gefallen.

Der Angeklagte musste sich wegen des Besitzes von 1,8 Kilogramm Kokain, Vergewaltigung seiner Ehefrau und Körperverletzung sowie einer Trunkenheitsfahrt verantworten. Die Plädoyers wurden teilweise unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehalten. Mehr über den Fall erfahren Sie in unserem Dossier "Kokainfund bei Drogenfahnder".

Update: Urteil ist gefallen

Das Urteil ist gefallen: Armin N. bekommt sechs Jahre und sechs Monate Haft. Laut Gericht muss er vorerst ein Jahr und drei Monate in Haft, seine Zeit in Untersuchungshaft wird aber angerechnet, sodass er nur drei Monate im Vollzug bleibt. Danach folgt ein Aufenthalt in einer Entzugsanstalt und dann der Rest der Haftstrafe. Der Angeklagte hat das Urteil regungslos entgegengenommen. Das Gericht geht davon aus, dass das Geständnis von Armin N. zutreffend ist. Das, so Richter Thamm, sei ein Grund für die Höhe des Urteils.

Mehr über die Gerichtsverhandlung und den Ausgang des Prozesses lesen Sie in der Allgäuer Zeitung und den Heimatzeitungen vom 10.02.2015.

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Update: Armin N. hat das letzte Wort

Armin N. hat das letzte Wort bevor sich das Gericht zurückzieht: Er bedauert seine Taten und hofft auf eine zweite Chance. Das Urteil wird um etwa 17 Uhr erwartet.

Update: N.'s Anwalt sieht Unterbringung in Entzugsanstalt als "unumgänglich" an

Alexander Chasklowicz, der zweite Anwalt von Armin N., erklärt nun, warum sein Mandant in eine Entziehungsanstalt eingewiesen werden müsse. Die Sucht des ehemaligen Chef der Drogenfahndung hätte "krankheitswert". "Dafür dass mein Mandant später ein geregeltes Leben führen kann ist ein Entzug unumgänglich."

Update: Alkoholkonsum und Medikamentenmissbrauch müssten bei Strafe berücksichtigt werden

Auch bei den Tatvorwürfen der Körperverletzung und der Vergewaltigung müsse der starke Alkoholkonsum und der Medikamentenmissbrauch von Armin N. bei der Strafzumessung eine Rolle spielen, sagt Strafrechtsexperte Seitz. Er wolle die Taten seines Mandanten nicht rechtfertigen, sondern nur besser erklären. Nun stünde "der Angeklagte vor einem Scherbenhaufen".

Aus der Sicht von Anwalt Seitz müsse man an die untere Grenze kommen, was bei einer Verständigung besprochen wurde: Er plädiert für eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und sechs Monaten und eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Update: N.'s Verteidigung hält das Plädoyer

Der Anwalt von Armin N. hält sein Plädoyer. Es sei einem Polizisten passiert, was einem Polizisten nicht passieren darf, sagt Wilhelm Seitz. Armin N. hätte sich verleiten lassen. Bereits 2007 hätte sich eine Alkohol- und Medikamenten-Abhängigkeit abgezeichnet. "Das sind die Dinge, die bei der Bestrafung des Betäubungsmittel-Deliktes eine Rolle spielen müssen."

Update: Armin N. fühlt sich unwohl, als Anwältin seiner Frau spricht

Die Anwältin der Nebenklage, der Frau von Armin N., spricht. Sie unterstützt die Forderung der Staatsanwaltschaft nach einer Verurteilung. Während die Anwältin über die Frau des ehemaligen Chefs der Kemptener Drogenfahndung spricht, fühlt er sich sichtlich unwohl. Er rutscht auf seinem Stuhl umher, atmet hörbar aus, verschränkt die Arme.

Update: Staatsanwalt fordert sieben Jahre

Staatsanwalt Hauck erklärt, warum die in der Verständigung zwischen Anklage und Verteidigung - also der mehrfach diskutierte "Deal" - im Rahmen der für die Taten vorgesehenen Strafen steht. Der Staatsanwalt fordert für den nicht vorbestraften und geständigen Angeklagten eine Gesamtstrafe von sieben Jahren Haft und eine Unterbringung in einer Entzugsanstalt.

Nach der Forderung der Staatsanwaltschaft kommt es zu Unmut bei den Besuchern. Ein Zuhörer wird aus dem Saal verwiesen.

Update: Öffentlichkeit muss nun den Saal verlassen

Für die Ausführungen des Staatsanwaltes zum Tatvorwurf drei - der mutmaßlichen Vergewaltigung - muss die Öffentlichkeit nun den Gerichtssaal verlassen.

Update: Plädoyer des Staatsanwalts

Staatsanwalt Hauck führt sein Plädoyer aus. Er zeichnet noch einmal die Taten von Armin N. nach und spricht von "erheblichen Verfehlungen". Laut dem Juristen wurden keine Hinweise auf einen Handel mit dem Rauschgift gefunden. Der Staatsanwalt geht auch davon aus, dass die Aussagen des Angeklagten über die Herkunft des Kokains korrekt sind. Das heißt, dass Armin N. das Rauschgift vor mehreren Jahren über die Asservatenkammer bekommen hatte. Die Bezugsquelle Justiz sei "deutlich wahrscheinlicher als andere".

Update: Vermeintlicher neuer Zeuge regt sich auf

"Eine Posse! Frechheit!" Der Mann, der sich als Zeuge gemeldet hatte, ruft, er habe "wichtige Informationen" in diesem Fall. Richter Thamm ruft den Mann zur Ordnung auf. Er solle seine Rolle als Zuhörer wahrnehmen.

Update: Die Öffentlichkeit wird nur teilweise ausgeschlossen

Überraschung im Gerichtssaal. Die Öffentlichkeit darf während der Plädoyers bleiben, bis es zum Vorwurf der Vergewaltigung kommt. Richter Thamm spricht von "Neuland" in der Rechtsprechung, deshalb sei die Entscheidung schwierig gewesen.

Update: Richter erklärt, warum die Öffentlichkeit bei den Plädoyers ausgeschlossen werden soll

Richter Thamm erklärt, warum seiner Meinung nach die Öffentlichkeit bei den "Schlussanträgen", also den Plädoyers, ausgeschlossen werden sollte. Das Gericht könne keinen Einfluss auf die Schlussanträge nehmen, deshalb müsse der Fall als Ganzes behandelt werden und die Persönlichkeitsrechte von Täter und Opfer gewahrt bleiben.

Staatsanwalt Hauck widerspricht der Ausführung, die Öffentlichkeit habe ein Recht auf die Informationen, die in Zusammenhang mit dem Betäubungsmittel-Vorwurf stehen. Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück.

Update: Umfrage unter den Besuchern

Der Ärger unter den Prozessbesuchern über den wahrscheinlichen Ausschluss der Öffentlichkeit während der Plädoyers ist groß. Die Mehrheit der Zuschauer ist der Meinung, der Deal zwischen Staatsanwaltschaft und der Verteidigung des Angeklagten sei nicht gerecht.

Update: Armin N. ist angekommen

Armin N. Wurde gerade hereingeführt. Ein Polizist hat ihm die Handschellen abgenommen. Es geht nun los. Zu Beginn des Prozesstages hatte sich ein weiterer möglicher Zeuge gemeldet. Allerdings hätte er seine Aussage schriftlich aufgeben müssen, was nicht passiert war. Nach der Ablehnung der Aussage wird es unruhig im Gerichtssaal.

Update: 40 Medienvertreter angemeldet

Langsam füllt sich auch der Medienraum im Kemptener Landgericht. Insgesamt sind 40 Medienvertreter angemeldet. Auch unter den Journalisten ist der Unmut über den wahrscheinlichen Ausschluss der Öffentlichkeit groß.

Update: Das sagt eine Besucherin vor Ort

Eine Frau, die ihren Namen nicht im Internet lesen möchte, erzählt, warum Sie trotz dem möglichen Öffentlichtkeits-Ausschluss schon vor Ort ist: "Ich möchte das Urteil und vor allem die Urteilsbegründung nicht verpassen." Dass Besucher und Presse bei den Plädoyers ausgeschlossen werden sollen, ärgert sie. "Ich finde, das müsste so transparent wie möglich ablaufen", sagt die Dame.

Update: Großer Andrang auf dritten Prozesstag

Trotz dem wahrscheinlichen Auschluss der Öffentlichkeit bei den Plädoyers warten schon etwa 30 Menschen eine Stunde vor dem Beginn des dritten Prozesstages vor der Sicherheitsschleuse des Kemptener Landgerichts. Um 14 Uhr soll die Verhandlung beginnen.

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