Forschungsprojekt
Urlauber fahren auf Strom ab

Allgäu «Mit unserer Autoflotte und dem damit verbundenen Tourismusmodel ist das Allgäu führend in Deutschland», sagt Stefan Mayer vom Allgäuer Überlandwerk (AÜW). Mayer ist Gesamtprojektleiter der «eE-Tour Allgäu» (siehe Infokasten), die seit dem Sommer die Möglichkeiten der Elektromobilität für den Tourismus im Allgäu und für die einheimische Bevölkerung auslotet. Bevor die Elektroautos den ersten Härtetest im Winter bestehen müssen, haben die Verantwortlichen eine erste Bilanz gezogen.

Seit August können Touristen und Einheimische verschiedene Elektrofahrzeuge - darunter auch Sport- und Geländewagen - mieten. Die Fahrzeuge gibt es unter anderem über diverse Hotels in der Region. Hauptstandorte sind Füssen, Oberstdorf, Oberstaufen, Kempten und Bad Wörishofen - und bald auch am Allgäu Airport in Memmingen.

Nur tröpfchenweise

Das Fazit nach gut drei Monaten Laufzeit fällt überwiegend positiv aus - wenngleich das Projekt anfangs mit nicht unwesentlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte: «Die Autos wurden nur tröpfchenweise geliefert», sagt Prof. Alfred Bauer von der Hochschule Kempten, der das Projekt wissenschaftlich betreut. Mittlerweile sind jedoch 80 Prozent der Fahrzeuge geliefert und somit knapp 40 E-Autos (zehn verschiedene Typen) im Allgäu verfügbar.

Bauer bucht den holprigen Start als Eingewöhungsphase ab. «Es ist eben ein Forschungsprojekt. Und im nächsten Jahr starten wir richtig durch.»

Rechnet man die Testphase mit ein (Beginn im Juni), haben die Elektroautos gesamt bereits rund 80000 Kilometer zurückgelegt. Eine stolze Zahl, findet Bauer. Aus den Befragungen der Nutzer hat die Hochschule bereits die ersten wissenschaftlichen Erkenntnisse gewonnen: 90 Prozent fahren unter 50 Kilometer auf der einfachen Strecke. Das heißt: «Der Großteil der Allgäu-Urlauber kommt also locker mit dem Aktionsradius der E-Autos zurecht», sagt Bauer. Die Reichweite liegt mit voller Batterie bei etwa 150 Kilometern und sorgt bei Erstnutzern häufig für Unsicherheit - zu Unrecht wie die Projektverantwortlichen betonen. «Der benötigte Bedarf wird abgedeckt», erklärt Bauer.

Neue Erkenntnisse erhofft man sich zudem aus zwei weiteren Forschungsprojekten, in denen das Mobilitätsverhalten im Alltag mit den E-Autos sowie Urlaubertypen (Lifestyle-Gruppen) ermittelt werden sollen.

Das Bio-Hotel Eggensberger in Hopfen am See war eines der ersten, das sich für das Projekt interessierte. Hotel-Chef Andreas Eggenberger befasst sich intensiv mit dem Thema nachhaltige Mobilität und hat schon vor dem Start der «eE-Tour» Elektrofahrräder oder auch ein Biogasauto angeboten. Seine Erfahrungen waren bislang «absolut positiv», wie er sagt. «Die Gäste waren begeistert und haben das Angebot gut angenommen.» Im Hotel können Urlauber zwei unterschiedliche Fahrzeuge mieten. Kosten: 45 Euro pro Tag. Regen Anklang fanden auch die kostenlosen Probe- sowie Kaffeefahrten.

Wissen soll in Region bleiben

Die «eE Tour Allgäu» läuft noch bis zum September 2011. Die Verantwortlichen sind an einer Fortführung über diesen Termin hinaus stark interessiert. Aus zwei Gründen: Das Thema Elektromobilität passe «ideal» zur neu entwickelten Marke Allgäu und den damit verbundenen Kernbotschaften Mobilität und Innovation. «Zum anderen geht dann das jetzt gewonnene Know-how nicht verloren, sondern bleibt in der Region», sagt Bauer.

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