Special Ostern ÜBERSICHT

Interview
Urlaub an Ostern? Geht nicht. - Kaufbeurer Kirchenmusiker Daniel Herrmann im Interview

Daniel Herrmann ist Kirchenmusiker mit Leib und Seele. Der gebürtige Kemptener studierte in München an der Musikhochschule Zither und Kirchenmusik. Später kam das Studium der Musikwissenschaften hinzu. Und bei einem einjährigen Aufenthalt im schweizerischen Basel spezialisierte er sich zudem auf Alte Musik. Seit 2007 ist er hauptamtlicher Kirchenmusiker an der Kaufbeurer Stadtpfarrkirche St. Martin (er löste Richard Waldmüller ab, der das Amt 24 Jahre lang innehatte). Herrmann betreut als Dekanatskirchenmusiker aktuell 46 Pfarreien und an St. Martin vier Chöre, darunter den Kirchenchor (bis zu 40 Mitglieder) und den Kinderchor 'Martinsspatzen'. Michael Dumler unterhielt sich mit dem 37-jährigen Chorleiter und Organisten über Kirchenmusik an Ostern.

Herr Herrmann, Ostern bedeutet für Familien auch Ferienzeit. Viele zieht es jetzt in den Urlaub, für einen Kirchenmusiker undenkbar, oder?

Herrmann: (lacht) Ja, das geht eigentlich gar nicht. Als Kirchenmusiker kann man natürlich an kirchlichen Feiertagen keinen Urlaub machen. Das sind für unsereinen ja auch Jahreshöhepunkte. Und so freue mich immer auf diese Tage, denn endlich kommt das zur Aufführung, was man die letzten Monate über geprobt hat. Und was gibt es Schöneres, als gemeinsam Musik zu machen?

Die kirchlichen Feiern an Ostern oder auch an Weihnachten haben ja einen festen Ablauf. 'The same procedure as every year', könnte man sagen, wie es in dem legendären 'Dinner for One'-Silvester-Sketch heißt.

Ist Ostern für einen Kirchenmusiker also eine leichte Übung, weil das Programm immer dasselbe ist?

Herrmann: Das gilt nur bedingt. Kaufbeuren hat ja eine große Chortradition, die nach dem Krieg auf den Kirchenmusiker und Musikschulleiter Ludwig Hahn zurückgeht. Und Hahn hat auch einige Sätze komponiert, die traditionsgemäß in St. Martin an Ostern gesungen werde. Das sind etwa am Gründonnerstag die 'Gesänge zur Fußwaschung' und am Karfreitag 'Gesänge zur Kreuzverehrung'. Diese Werke sind bei uns in St. Martin fest verankert und werden immer an diesen Tagen aufgeführt.

Am Ostersonntag steht mit der 'Messe solennelle Nr. 3' des französischen Komponisten und Organisten Félix Alexandre Guilmant aber auch ein eher unbekannteres Werk auf dem Programm. Wie kam es dazu?

Herrmann: Ich bin eigentlich schon letztes Jahr darauf gestoßen. 2011 jährte sich zum 100. Mal Guilmants Todestag. Ursprünglich hat er seine Messe für Chor und Orgel geschrieben. Er hat aber auch eine Orchesterfassung gefertigt. Mich hat es gereizt, einmal etwas aus der französischen Romantik zu machen. Damit halste ich mir etwas Arbeit auf: Ich musste aus der Partitur alle Einzelstimmen herausschreiben, weil mein Notensatzprogramm beim Einscannen des alten Drucks nicht richtig funktionierte.

Wie lang haben Sie mit ihrem Kirchenchor und dem 20-köpfigen Kirchenorchester geprobt?

Hermann: Anfang Januar begannen wir mit den Proben. Der Chor war zu Beginn vielleicht etwas skeptisch, freundete sich aber dann doch sehr schnell mit der etwa 35-minütigen Messe an. Das Werk ist etwas zum Schwelgen! Und das werden die Besucher des Ostersonntagsgottesdienstes hören.

Welchen Stellenwert hat für Sie Kirchenmusik?

Herrmann: Diese Musik ist für mich ganz essenziell: Sie kann Menschen zueinanderbringen und mit ihren manchmal zarten, manchmal mächtigen Klängen Menschen emotional berühren und zum Schwingen bringen.

Darüber hinaus kann sie – für mich oft besser als viele Worte – tiefgreifende Glaubenserfahrungen vermitteln und Überirdisches spürbar werden lassen.

An Ostern arbeiten Sie also. Und wann feiern Sie eigentlich mit Ihrer Familie?

Herrmann: Wir haben das aufgrund meines Berufs nach hinten geschoben. Statt am Ostermontag treffe ich meine Familie und meine Verwandtschaft immer am Dienstag. Und danach werde ich mich ein wenig verkrümeln und meinen Akku wieder aufladen.

Ganz ohne Musik geht das aber nicht, oder?

Herrmann: Musik ist für mich natürlich wichtig. Manchmal treffe ich ehemalige Studienkollegen, und wir musizieren dann gemeinsam. Oder ich spiele mal wieder auf meiner Zither. Volksmusik ist ja neben der Alten Musik eines meiner großen Hobbys. Aber genauso wichtig ist mir Bewegung, und die habe ich beim Bergsteigen, Skifahren oder auch beim Radeln.

Der Kaufbeurer Kirchenmusiker Daniel Herrmann (hier an der Orgel von St. Martin) muss an Ostern viel arbeiten. Foto: Dumler

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