Memminger Meile
Unverklemmt und Frech - Musik-Kabarettist Michael Krebs in Memmingen

Auch wenn Michael Krebs jetzt in Hamburg lebt, kann und will er seine schwäbische Herkunft nicht verleugnen. Sein Programm 'Es gibt noch Restkarten' hätte er beinahe 'Ausverkauft' benannt: damit hätte sich zwar sein Status steigern lassen, aber die Gefahr wäre groß, dass dann niemand mehr kommt Hier im ehemaligen Union-Kino findet der junge Mann aus Neu-Kupfer bei Schwäbisch Hall im Rahmen der Memminger Meile jedenfalls ein volles Haus und ein begeisterungsfähiges Publikum.

Dem unverklemmten Umgangston in Hamburg stellt er die zurückhaltende schwäbische Sparsamkeit und Bescheidenheit gegenüber. Und lamentiert darüber, dass seine Generation 'über 30' eine miserable Kindheit hatte und auch bei großer Begabung keine Chance: keine Super-Nanny, kein Koma-Saufen, keine stille Treppe und keine Kneipe am Nordpol – nur die 'Sendung mit der Maus'

Krebs als Abend-Arbeiter fragt sich, was er tagsüber noch so machen könnte und schaut sich in ungewöhnlichen Berufsfeldern um. Er findet die 'Brotberaterin', die schwer psychisch gestörte Brote beraten und aufbauen soll, damit diese den weiten, lieblosen Transport aus dem Osten, die Tiefkühllagerung und die Aufbackphase verkraften. Kein Wunder, dass solche Brote nach langer Therapie trocken geworden sind.

Er ergoogelt bei 'astrogenital.de' den Genitalleser, der nach zweijähriger Ausbildung aus den Genitalen die Zukunft vorhersagen kann. Ein Schnupper- und Einführungsangebot der abstrusen Berufssparte stellt er Interessierten für die Pause zur Verfügung.

Laminierte Aufträge

Bizarr, spritzig und musikalisch hochkarätig spult Krebs sein Programm ab. Die Grundschullehrerin ist als Freundin out, weil sie laminierte Aufträge und Benotungen auf dem Frühstückstisch hinterlässt. Ideal wäre eine I-Freundin von Apple, hart im Nehmen, fügsam, temperamentvoll im Bett – und jedes Jahr in neuem Design. An Klavier und E-Gitarre steigt Krebs im Perücken-Outfit auf 'Heavy Metal' um.

Gegen die unterdrückte 'Flüsterfuchs-Generation' bekennt er sich zu Satans Sturmsoldaten und lässt in 'Pleasure to kill' Schwermetalle weinen.

Nicht nur mit dem Mädchen aus der Jungen Union hat er Sex in jeder Position, auch mit der Zeugin Jehovas macht es Spaß, und mit den Sozialen, Liberalen, Grünen und der bibelfesten Christin unterm Bild von Benedikt. Frech ist der Musik-Comedian, sprühend und einfallsreich. Seine außergewöhnliche Musikalität beweist er zuletzt in einer Richard Clayderman-Nummer – und reißt damit das Publikum ganz vom Hocker.

Die Einladung aus dem evangelischen Gemeindeblatt 'Habt ihr Lust zu spielen?' wird unter seinen Fingern und mit seiner sexy Stimme zum hocherotischen Antrag. Der ganze Abend ein großer Hit!

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