Sonthofen / Oberallgäu
Untreue: Anwalt sitzt auf der Anklagebank

Für gewöhnlich steht er als Verteidiger in schwarzer Robe vor Gericht seinen angeklagten Mandanten bei. Diesmal saß er in Zivil auf der Anklagebank und benötigte selbst ein Plädoyer. Das Amtsgericht Sonthofen hat jetzt einen Juristen zu einer Bewährungsstrafe von fünf Monaten verurteilt, weil der Rechtsanwalt Mandantengelder unterschlagen hatte. Es war bereits das zweite Mal nach einer ersten Verurteilung vor vier Jahren. Die jetzt ausgesprochene Bewährungsfrist läuft drei Jahre.

«Ich bin eher der Anwalt und weniger der Betriebswirt», gestand der Rechtsanwalt reumütig ein, dass ihm die Kontrolle über Geldzuflüsse und die nötige Weitergabe an seine Klienten zuletzt in zwei Fällen entglitten sei. Die Tatvorwürfe in der Anklageschrift seien zutreffend. Insgesamt ging es um «eher geringfügige Summen», wie auch der Staatsanwalt meinte: einmal 1000 Euro und dann 1500 Euro.

Keine großen Summen

Es handelte sich um eine Pachtzahlung und um die Rückerstattung einer Kfz-Versicherung nach einem Unfall. Beides waren Summen, die der Anwalt nur treuhänderisch empfangen hatte und die er an die Mandanten hätte abführen müssen. Einer der Klienten sagte als Zeuge vor Gericht aus, dass er bei seinen mehrfachen Reklamationen der ausstehenden Summe immer wieder abgewimmelt worden sei.

Der Rechtsvertreter ist nach eigener Aussage von einer immensen Schuldenlast geplagt. Immer mal wieder hielten der Gerichtsvollzieher und andere Gläubiger die Hand auf und pfändeten Überschüsse auf dem Konto. «Er hat nie eine Bereicherungsabsicht gehabt», bat der Kollege, der den angeklagten Juristen nun verteidigte, um mildernde Umstände. Sein Mandant habe lediglich eine unzureichende Vorsorge getroffen, eingehende Gelder für Klienten vor Gläubigern zu schützen. Mit einem jetzigen Anderkonto passiere das nicht mehr. Die Beiträge an die beiden Mandanten sind inzwischen zurückgezahlt.

Salomonische Mitte

Aus den Anträgen des Staatsanwalts (sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung) und des Verteidigers (vier Monate) griff Richter Andy Kögl zur salomonischen Mitte. Mit einer reinen Geldstrafe wäre es nicht mehr abgegangen, sagte Kögl mit Blick auf die einschlägige Vorstrafe des Mannes. Damals hatte der Richter dem Rechtsanwalt ins Stammbuch geschrieben, dass er künftig schwer aufpassen müsse. Doch der Angeklagte ließ sich laut der Einschätzung von Kögl davon offensichtlich nicht schocken, obwohl auch schon damals zusätzlich ein Ehrengericht der Rechtsanwaltskammer ihrem Mitglied ein zeitweises Berufsverbot auferlegt hatte. Dies kann erneut geschehen.

Der Jurist stellt sich auf bittere Zeiten ein: Verlust der Kanzlei und Verkauf seines Hauses. Vorsichtshalber hat er sich bereits arbeitslos gemeldet. Das Urteil nahm er an.

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