Polizei
Unterwegs im fliegenden Streifenwagen

Vor wenigen Minuten ist der Hubschrauber der Polizei mit lautem Getöse aus Richtung Bärensee, seiner klassischen Einflugschneise, auf dem Kaufbeurer Fliegerhorst gelandet, die Rotorblätter haben sich mittlerweile beruhigt. Flugtechniker Ralf Meggle setzt den Tankstutzen an und meint: «Wir tanken gleich wieder voll. Bei uns weiß man nie, wann es weitergeht.»

Knapp 600 Liter passen in den Tank, etwa zweieinhalb Stunden können Meggle und Pilot Manfred Sacher damit in der Luft bleiben. An diesem Tag sind die beiden Polizisten in Kaufbeuren stationiert, neben den zentralen Standorten München und Roth einer von drei weiteren Stützpunkten (siehe Infokasten). Etwa 120 Tage im Jahr steht der Hubschrauber auf dem Platz vor dem Tower in Einsatzbereitschaft. Primär an den Wochenenden. «Weil da in den Bergen viel Betrieb ist», sagt Sacher. Kaufbeuren liege einsatztaktisch sehr gut, meint er weiter. Sprich: kurze Wege in die Berge, zentral für Einsätze vom Bodensee bis zur Zugspitze, weitgehend nebelfrei und eine gute Logistik bei der Bundeswehr.

Im Tower gibt es für die Männer zwei einfach eingerichtete Dienstzimmer samt Schlafmöglichkeit, Getränke und Essen können dort eingenommen werden und auch die Flugplatz-Feuerwehr steht Tag und Nacht bereit, beim Landen und Betanken. «Die Zusammenarbeit hier ist super», sagt Sacher. Gleiches gelte für die Toleranz der Kaufbeurer Bevölkerung. Meggle: «Die Leute haben den Vorteil, dass im Notfall in kürzester Zeit ein Hubschrauber bereitsteht.»

Von Kaufbeuren aus fliegen sie in kürzester Zeit zu ihren Einsätzen. Bis zu den Alpen brauchen sie bei einer normalen Reisegeschwindigkeit von etwa 230 Stundenkilometern keine 20 Minuten, selbst der Starnberger See liegt aus strategischer Sicht besser als vom Münchner Flughafen aus. Die Polizisten der Hubschrauberstaffel sind tagsüber zu zweit unterwegs.

Einer davon ist Pilot, steuert den Hubschrauber, hält Kontakt zur Flugsicherung und überwacht den Luftraum. Der andere ist Flugtechniker. Er koordiniert die Einsätze aus der Luft, unterstützt den Piloten bei der Navigation und bedient, wenn erforderlich, Instrumente wie die Rettungswinde oder den Feuerlöschbehälter.

Das Einsatzspektrum, erklärt Sacher, sei groß. Der Hubschrauber wird zum Beispiel zur Vermisstensuche eingesetzt, zur Hilfe bei Fahndungen, zum Transport von Spezialkräften, zur Brandbekämpfung, Wasser-, Eis- und vor allem Bergrettung. «Wir fliegen pro Jahr etwa 3000 Einsätze, circa 900 davon sind im Bereich der Vermisstensuche», sagt Meggle. Dazu rücken die Polizisten auch nachts aus, mit Infrarotkamera und einer speziellen Nachtsichtbrille, die den Fliegerhelm fast drei Kilo schwerer macht.

«Die Dunkelheit bereitet uns keine Probleme», meint der Flugtechniker weiter. Nebel hingegen sei wesentlich problematischer. Die wichtigste Regel dabei: Es muss zu jederzeit Sichtkontakt zum Boden bestehen. Das Sichtminimum, ab dem geflogen werden darf, beträgt tagsüber 800 Meter, nachts sind es fünf Kilometer. Darunter werde es kritisch. Etwa wegen der Stromleitungen, höheren Gebäuden in Großstädten oder anderen Hindernissen.

Zwischendurch fällt eine Menge Bürokratie an. Meggle und Sacher notieren Flugzeiten, technische Beanstandungen, führen ein Einsatzprotokoll und erstellen Grafiken.

Ob auch der Helikopter der Polizei in die Luft geht oder auf dem Boden bleibt, wird von den jeweiligen Einsatzleitern am Ort entschieden. Ein Faktor sei die Wirtschaftlichkeit. Schließlich kostet eine Flugstunde circa 2900 Euro. Sacher meint aber: «Das ist relativ. Wenn es um Menschenleben geht, spielt das keine Rolle.» Streifenflüge, der bloßen Kontrolle wegen, gebe es hingegen nicht mehr.

Zwei Einsätze haben Sacher und Meggle an diesem Tag bereits hinter sich. Dann klingelt das Mobiltelefon erneut. In den Bergen am Spitzingsee sei ein Mann abgestürzt. Die Hubschrauberstaffel wird zur Bergung gebraucht. Am Abend erklärt Meggle, es sei ein ruhiger Tag gewesen.

Am vergangenen Wochenende etwa war dies anders: Von 8 bis 20 Uhr standen sechs Einsätze auf dem Programm, sieben Stunden waren die Zwei dafür in der Luft, von der Lechstaustufe bei Augsburg bis ins tiefe Oberallgäu.

«Ich bin ganz normaler Polizist. Aber mein Streifenwagen ist in der Luft unterwegs.»

Flugtechniker Ralf Meggle

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