Lindenberg
Unter dem immer blauen Himmel

Christen nutzen die Fastenzeit für die Vorbereitung auf Ostern. Doch vor der Auferstehung stehen Leiden und Tod Jesu. In meist 14 Stationen stellen Bildnisse in katholischen Kirchen die Passion dar und laden Gläubige zu Meditation und Gebet ein. Bis zur Karwoche stellen wir Kreuzwege in Westallgäuer Kirchen vor. In der Nadenbergkapelle in Lindenberg finden sich Kreuzwegstationen, die die Passion wie ein Bilderbuch erzählen.

Die Bilder, die hier in schön geschnitzten und lackierten Holzrahmen hinter Glas präsentiert werden, sind vermutlich Drucke. Sie erinnern ein wenig an die Illustrationen von Büchern. Gleichzeitig lassen sie den Betrachter an Szenen aus üppig ausgestatteten Historienfilmen denken. Unter einem immer blauen Himmel ist der Leidensweg Jesu in kräftigen Farben beschrieben. Die Hauptfigur des Geschehens hat auf diesen Bildern durchwegs einen vergeistigten Gesichtsausdruck mit meist nach oben gerichteten Augen. Der Strahlenkranz unterstreicht die verklärte Ausstrahlung. Erst auf den letzten Bildern - im Tod - wirkt die Gestalt Jesu menschlich.

Die anderen Personen sind historisch eher ungenau skizziert. Orientalisch, römisch und palästinensisch gekleidete Männer stoßen auf jüdische Geistliche. Unvermittelt taucht ein reitender wilder Geselle auf, der wie ein germanischer Krieger anmutet. Der Nadenberger Kreuzweg ist jedenfalls eine lebendige Erzählung der Leidensgeschichte.

Weder Alter noch Herkunft der Stationen sind bekannt, erklärt Wolfgang Stibi, Vorsitzender des Kapellenvereins Nadenberg.

Mit dem kleinen Kirchlein in neubarockem Stil, das am Martinitag (11. November) vor genau hundert Jahren geweiht wurde, erfüllten die Eheleute Martin und Maria Brinz ein Gelübde, das sie wegen einer schweren Operation abgelegt hatten. Die Familie Brinz betreute die Martinskapelle 20 Jahre lang. 1930 wurde der Kapellenverein gegründet.

Dessen erster Vorsitzender war Dr. Heinrich Brauns, Theologe und ehemaliger Reichsarbeitsminister der Weimarer Republik. Seit 1943 ist der Kapellenverein - heute hat er etwa 200 Mitglieder - Eigentümer des kleinen Gotteshauses.

Noch heute beheimatet die Kapelle auf dem Nadenberg eine kleine, lebendige Gemeinde. Die Nadenberger leisten viel, um das Kirchlein in gutem Zustand zu erhalten. Zur Sonntagsmesse um 8 Uhr kommen regelmäßig zwischen 40 und 60 Gläubige zusammen.

Besonders sehenswert sind in der Kapelle St. Martin vier Glasfenster, die die wesentlichen Stationen im Leben Jesu zeigen. (ins)

Die Nadenbergkapelle ist jeden Sonntag geöffnet. Sie kann auch für Familienfeiern genutzt werden.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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