Unterschriftenliste
«Unser Vertrauen in Gemeinde sinkt»

Es ist zu fortgeschrittener Stunde, als Peter Blenk auf der Buchenberger Bürgerversammlung im Sommerau-Saal ums Mikrofon bittet. Äußerlich ist er ruhig, doch tief in ihm scheint es zu brodeln. Nach kurzer Zeit hält er eine Liste hoch und klärt die Zuhörer auf: «Das sind Unterschriften von 63 Landwirten, die selbst bestimmen wollen, wie sie wirtschaften. Und die gegen ein Vogelschutzgebiet im Kürnacher Wald sind.» Dann holt er kurz Luft und klagt: «Wir fühlen uns vom Gemeinderat schlecht informiert. Unser Vertrauen in die Gemeinde sinkt immer mehr.»

Starker Tobak, der an Bürgermeister Toni Barth und den Ratsmitgliedern nicht spurlos vorübergeht. Die Vorwürfe einer ungenügenden Informationspolitik, so Barth, weise er entschieden zurück. «Wir haben immer gesagt, dass landwirtschaftliche Flächen von der Ausweisung eines Vogelschutzgebietes nicht betroffen sein dürfen.»

«Wir wollen keine Vorschriften»

Was in der Gemeinde für Unruhe sorgt: In einer nicht öffentlichen Sitzung (im Mai 2009) stimmte der Gemeinderat einer Bitte der Naturschutzbehörde des Landkreises Ravensburg zu, das Vogelschutzgebiet Adelegg auf württembergischer Seite auf bayerisches Gebiet auszudehnen. Buchenberger Landwirte wiederum fürchten dadurch Einschränkungen. Blenk: «Wir wollen keine Vorschriften, wie wir unsere Arbeit zu erledigen haben.

» Auf entsprechenden Protest reagierte der Gemeinderat im April dieses Jahres und hob den Beschluss von 2009 bis auf weiteres auf.

Ministerium prüft die Sachlage

Eigentlich alles in Butter, möchte man angesichts der aktuellen Lage meinen. Blenk jedoch glaubt nicht ans endgültige Aus eines Vogelschutzgebiets. Und tatsächlich: Das Umweltministerium prüft derzeit die Sachlage - mit offenem Ausgang. Was der Geschichte zusätzliche Brisanz verleiht: Die Gemeinde ist durch teilweise sehr emotionale Diskussionen in Sachen Windkraft seit geraumer Zeit gespalten. Auch das Thema Vogelschutzgebiet, so scheint es, bringt Gegner und Befürworter von Windkrafträdern in Position.

Selbst wenn sich darüber keiner öffentlich äußern will, stellt sich die Situation wohl so dar: Windkraftbefürworter wittern eine Finte und befürchten mit dem Ausweisen eines Vogelschutzgebietes das endgültige Verbot von Windkrafträdern im Kürnacher Wald.

Konfrontiert mit solchen Ängsten stellt Barth aber klar: «Ein Vogelschutzgebiet schließt nach meinem Kenntnisstand nicht automatisch das Aufstellen von Windkrafträdern aus.» Er wolle, betont er, mit sachlichen Mitteln der aufgeheizten Stimmung entgegen treten. Zum Beispiel mit einer Info-Veranstaltung für Betroffene eines möglichen Vogelschutzgebietes. So werde er demnächst einen Experten aus Baden-Württemberg einladen, der sich mit diesem Thema seit längerem beschäftigt.

 

Für den seit Monaten leer stehenden Gebäudekomplex des Schwarzen Bock in Buchenberg ist noch kein neuer Pächter in Sicht. Foto: Ralf Lienert

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