Unmengen von schwarzer Pampe

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von Markus Raffler
| Füssen/Hopferau Wer Bernhard Friedrich ärgern will, der muss nur ein Wort in den Mund nehmen: Teer. «Teer war ein hochgiftiges Abfallprodukt aus der Kohleverwertung und wird seit fast 50 Jahren nicht mehr im Straßenbau verwendet», erklärt der Bauleiter, weshalb der landläufige Begriff vom «Straße teeren» bei den Profis tabu ist. Gut. Verstanden. Es ist also Asphalt, der derzeit in Unmengen (genau sind es rund 350 Lkw-Ladungen pro Tag) zur A7-Baustelle gekarrt wird.

Bereits nachts um 2 Uhr laufen zwei Asphaltmischanlagen im Kreis Günzburg an, damit die ersten Lkw um 6 Uhr morgens mit ihrer dampfenden, rund 160 Grad heißen Fracht gen Süden starten können. Satte 30 Zentimeter stark wird der Asphalt in mehreren Schichten aufgetragen (siehe Graphik). Schicht Nummer eins bedeckt bereits die Hälfte des A7-Neubau-Abschnitts. Nur die sieben Kilometer zwischen der Talbrücke Enzenstetten und dem Tunnel Reinertshof fehlen noch. «Hier wollen wir bis Weihnachten die Tragschicht schaffen», so Michael Kordon, Leiter der Autobahndirektion Südbayern, Dienststelle Kempten.

Wie beim Schneeräumen, wo zwei Pflüge versetzt hintereinander die gesamte Fahrbahnbreite der Autobahn räumen, wird auch der Asphalt von zwei versetzt fahrenden «Fertigern» aufgetragen. Damit in der Mitte keine Naht entsteht, wird jede Schicht «heiß in heiß» zusammengepresst.

Ist der Asphalt aufgetragen, rücken sofort verschiedene Walzen nach. Sie fahren scheinbar planlos (in wirklichkeit aber nach striktem Schema) kreuz und quer, um das Gemisch zu verdichten. Bereits nach drei Stunden ist der Belag auf lauwarme Stufe abgekühlt. Doch Asphalt ist nicht gleich Asphalt, wie Friedrich betont. Je nach künftiger Belastung der Straße (etwa durch Schwerlastverkehr) wird die Rezeptur verändert. «Wichtig ist, dass der Asphalt weder zu weich noch zu hart ausfällt», so Kordon.

Das eine führe zu Spurillen, das andere zu Rissen. Die Oberfläche müsse zudem griffig und lärmarm sein. Und noch etwas sei entscheidend: Das richtige Verkleben der einzelnen Asphaltschichten, das nur bei trockener Witterung möglich ist. Werde hier gepatzt, entstünden durch schwere Fahrzeuge Verschiebungen und später Schlaglöcher - und dann sei es Essig mit der kalkulierten Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren.

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