Sonthofen
«Ungeheures Ideenpotenzial» junger Menschen nutzen

Was haben eine Imageanalyse und die Wiederverwertung fehlproduzierter Inkontinenz-Windeln gemeinsam? Beides sind Projekte, die Schüler für Auftraggeber in Wirtschaft oder Behörden umsetzten und dabei selbst lernten. Beide erfolgten in Zusammenarbeit mit der Theo-Prax-Stiftung, die die Kombination von Theorie und Praxis als Lernmethode vorantreibt. Das Gymnasium Sonthofen will als eines von 16 deutschen Kommunikationszentren die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Externen fördern. Bei einem Festakt erfolgte die Vertragsunterzeichnung.

Das «ganz besondere Projekt» kann gerade die Projektseminare im achtjährigen Gymnasium aufwerten - aber nicht nur. Auch andere Schulen sollen profitieren und Projekte etwa im Wahlunterricht oder in Arbeitskreisen umsetzen. Für Direktor Hubert Thiele setzt das Allgäu so bildungspolitische Meilensteine. Er hofft, dass genug Unternehmen kleinere Aufträge an Schulen vergeben, um mit dem «ungeheuren Ideenpotenzial» junger Menschen zu arbeiten. Das bringe den Schülern praktische Erfahrungen, trage zur Persönlichkeitsentfaltung bei und stärke ihr Selbstbewusstsein. Nötig seien freilich externe Partner, die tatsächlich «Aufträge» haben. Für Lehrer, die eh Projektseminare vorbereiten müssten, sei das keine oder nur ganz wenig Mehrarbeit.

Schülersprecher Johannes Gerlitz meint, dass die Idee für die P-Seminare der Schule mit Sicherheit toll ist. Allerdings fragt er sich, wie viel sich bei zwei Wochenstunden tatsächlich machen lässt. Sollte dann womöglich eine Stunde Hausaufgabe dazukommen, wie es ihm von Stiftungsseite angedeutet wurde, sei dies viel Zeitaufwand für ein Fach.

Konkret läuft das so: Auftraggeber wenden sich mit ihrer Fragestellung ans Gymnasium Sonthofen, das als Kommunikationszentrum den Vertragsabschluss mit der Stiftung begleitet. Das Projekt selbst kann ebenso an anderen Schulen laufen, etwa Haupt- und Realschulen - und auch andernorts wie in Oberstdorf oder Immenstadt. Die Auftraggeber zahlen ein Honorar: je nach Projekt im Bereich zwischen 500 und einigen 1000 Euro. Das Geld dient unter anderem dazu, für die Projektarbeit an der Schule Selbstständige zu bezahlen, die die Schüler fachlich begleiten oder beraten.

So mache man kein Billigangebot, das anderen Arbeit wegnimmt, sagt Stiftungsvorstand Prof. Dr. Peter Eyerer.

Laut Eyerer und seiner Vorstandskollegin Dörthe Krause ist die Vielfalt möglicher Projekte schier endlos: In einem Fall haben Schüler für ein Krankenhaus Übungen entwickelt, mit denen Patienten ihre operierte Hand trainieren. Ein andermal entwickelte eine Mädchengruppe das Konzept zum Umbau eines Sozialladens, und weil es so viel Spaß machte, setzen die Mädchen danach die handwerkliche Arbeit zusammen mit Obdachlosen um. Drittes Beispiel: Für ein Unternehmen gestalteten Schüler im Rahmen des Kunstunterrichts Büroflure.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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